Hightech-Spione im Vatikan?

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Die Sicherheitsvorkehrungen sind immens, man tue alles Mögliche, um ein Durchsickern von Diskussionsstoff zu verhindern.

Inzwischen weiß wirklich jeder, dass die Wahl des neuen Papstes geheim ist. Niemandem dürfte bei der Masse an Berichterstattung zum Thema entgangen sein, dass erst dann die Öffentlichkeit informiert wird, wenn zuvor weißer Rauch aus einem Schornstein steigt und die Kardinäle einig aus der Sixtinischen Kapelle herauskommen. Um den Vatikan zu ärgern oder ‘der Erste’ zu sein, der die Story hat, könnten der Geheimniskrämerei Computer- und Technikfreaks einen Strich durch die Rechnung machen.

Die Sicherheitsvorkehrungen sind immens. Man tue alles Mögliche, um ein Durchsickern von Diskussionsstoff zu verhindern, so ein Offizieller gegenüber der Presseagentur AP. Selbst der verstorbene Papst Johannes Paul II. hatte bereits erkannt, dass moderne Kommunikationsmittel das Gegenteil von “geheim” bedeuten können und 1996 in weiser Voraussicht Handys, Laptops oder PDAs während der Zeit eines Konklaves verboten. Es scheint aber nicht genug.

Im Vatikan ist man zwar überzeugt, unabhörbar zu sein. Schließlich sei es ja nicht die erste Papstwahl. Über die Jahre, Jahrzehnte und Jahrhunderte hat sich aber einiges verändert. Nie war es leichter, kleinste Spione in Räumen unterzubringen, die Gespräche belauschen. Sie haben nur mehr die Größe von Geldstücken. Fürchten könnten sich die 115 Kardinäle auch vor supersensitiven Mikrofonen, die in Lüftungsschächten versteckt oder an Fensterscheiben geheftet werden.

Die eigene Vatikan-Sicherheit gibt keine Details bekannt, wie man der Bedrohung beikommen will. Ein ehemaliger Privatdetektiv und Polizist a.D., der mit der Stadt immer eng zusammengearbeitet hat, berichtet, dass der Security im Vatikan Experten zur Seite stehen, die gut ausgebildet seien. Es sei sehr schwer, daran vorbeizukommen.

In vielen Reportern oder Leuten, die sich profilieren wollen, dürfte das Kribbeln der Neugier in jedem Fall sehr stark sein. Selten war eine Papstwahl so offen. Die Frage ist, siegen die Konservativen oder die Reformer? Und wer soll es machen, der auch nur im Ansatz an Karol Wojtyla heranreicht? Das vor allen anderen zu wissen, macht den Reiz aus und am Ende vielleicht viel Ruhm und Geld. Außer vom Vatikan. Für den wäre das überaus peinlich.

Bei allen Versuchen aber, die technischen Spione auszuschließen und mundtot zu machen bleibt ein Risiko, das niemand ausschalten kann: der menschliche Spion. Plaudert einer der Kardinäle, wäre der ganze Aufwand mit Geräuschgeneratoren gegen die Mikrofone, Leibesvisitationen an den Geistlichen und die Durchsuchung von Lüftungsschächten, Lampen und Schaltern für die Katz gewesen.