Office on Demand – Microsoft denkt um

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Microsoft steigt in das Geschäft mit webbasierter Software ein. Das soll mehr Dollars aus der Web-Werbung bringen. Doch das Modell ist nicht neu.

Microsoft bietet demnächst auch Software im Mietmodell über das Internet an. Dabei wird der Konzern aber nicht vom Anbieter lizenzierter Software plötzlich zum Application Service Provider (ASP). Vielmehr handelt es sich zunächst nur um Erweiterungen einiger bestehender Produktlinien, die kleineren Kunden und Filialen auch im webbasierten Modell angeboten werden sollen. Der Konzern will damit im Wettrennen mit Internetkonzern Google einen Gang zulegen.

‘Windows Live’ und ‘Office Live’ sollen durch Abogebühren, aber auch durch Werbeumsätze finanziert werden. Potenzielle Werbepartner sollen die Anzeigen an die Interessen der Kunden anpassen können, so wie es Google bereits anbietet.  Dabei sollen aber die Produkte, wahlweise auch mit direktem Anschluss an ein automatisches Viren-Scan-Center, für den Kleinanwender kostenlos bleiben.

‘Office Live Basic’ beispielsweise richtet sich an Privatkunden und Start-ups und umfasst einen Speicherplatz im Web von 30 MByte, dabei fünf E-Mail-Adressen und ein Werkzeug zum Erstellen einer Webseite inklusive der zugehörigen Domain. Mit ‘Office Live Essentials’ bekommen die Kunden – voraussichtlich kostenpflichtig – einen Speicherplatz von 500 MByte, dabei 50 E-Mail-Adressen. Die Version ‘Office Live Collaboration’ richtet sich an Teams in Unternehmen oder Mittelständler und ihre Partner. Außerdem gibt es noch weitere Angebote für den Mittelstand und die Reihe soll fortgesetzt werden. Für die Windows-Reihe gilt eine ähnliche Stufung, auch wenn für die kommerziellen, also nicht rein werbefinanzierten Live-Angebote noch keine Preise genannt werden konnten.

Unter ‘Windows Live’ soll es beispielsweise E-Mail- und Weblog-Dienste sowie Security-Lösungen für den PC geben. Der Dienst soll komplett an die persönlichen Anforderungen der Anwender angepasst werden können. Dabei beruhen die Live-Services auf einer, wie es heißt, “für alle Interessierten zugänglichen offenen Programmierschnittstelle, mit der Partner ihre eigenen Dienste anbieten können”. Wohl auch deshalb können beide Live-Reihen schon einmal in der Beta heruntergeladen und getestet werden.

Microsoft-Gründer Bill Gates spricht einstweilen aber bei der Vorstellung der beiden ersten Pakete – ‘Office Live’ und Windows Live’ –  von der neuen “Live-Ära” für die Softwarebranche. Genau die haben aber andere schon vor ihm entdeckt. Einer der bekannten Vertreter, der Software zur Miete über einen Internet-Server bietet, heißt sicherlich Salesforce. Die Kalifornier sind inzwischen so erfolgreich, dass sich sogar Oracle, Siebel und SAP in diese Richtung bewegen müssen. Und jetzt will Microsoft mitmischen – wenn auch aus augenscheinlich anderen Motiven: Es geht dem Konzern nicht so sehr um eine Wandlung des Softwaremarktes, sondern eher darum, den wachsenden Markt für Online-Advertising mit abzuschöpfen – und Google die Marktmacht nicht kampflos zu überlassen.