Bea schießt sich auf die Telekommunikation ein

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Vom Hersteller für Appserver zum Provider für die TK-Branche – Bea Systems durchlebt eine Metamorphose im Namen von SOA.

Netzwerkfunktionen aus der IT sollen im TK-Bereich punkten – das wünscht sich der Softwarehersteller Bea Systems. Er hat sich bereits kontinuierlich im vergangenen Jahr darauf vorbereitet und sich in Richtung eines Dienstleisters für die Serviceprovider-Branche verschoben. Auch der Produktfokus hat sich seither entsprechend verlagert. Die Idee, die dahinter steckt, bezeichnet Neil Sholay, TK-Verantwortlicher für die Region Europe, Middle East, Africa (Emea) auch als “SOA für die TK-Welt” (SOA steht für Service-orientierte Architekturen).

“Die Serviceprovider wollen, dass jeder beliebige Partner und Kunde Services auf ihrem Netzwerk bauen kann, aber sie wollen dabei die Kontrolle über die Dienste und darüber, wie welche Services vermarktet werden, nicht völlig aus der Hand geben”, beschreibt er das Dilemma, das Bea mit neuen Produkten und Lösungen angehen will. Ein Weg dorthin heißt für den Softwarekonzern ganz  klar: SOA auf die TK-Ebene bringen. Darin sieht Neil Sholay eine Möglichkeit, um beispielsweise Mechanismen der IT-Welt für den Bau von SIP-basierten (Session Initiation Protocol, vor allem im Voice over IP- und Instant-Messaging-Umfeld angewendet) Konvergenzanwendungen anzupassen.

Beas Produkte basieren weitestgehend auf der Eclipse-Toolbox und offenen Sprachen, sie bringen also die Voraussetzungen mit, flexibel und anpassungsfähig zu sein. Doch mit dem Begriff SOA wollen die Softwerker trotzdem nicht zuvorderst agieren. “Bei dem Wort SOA würden uns aber die meisten Netzwerkleute die Tür weisen, deshalb erklären wir die Funktionen unserer neuen Softwarebausteine über die Services, die sie liefern können. Das ist wiederum für beide Welten – die IT und die TK-Welt – transparent, weil die Netzwerkfachleute bereits auf ihre Art Services bereitstellen”, sagt Sholay.

Das Ausrollen solcher Dienste dauert im IT-Bereich wegen der zugrundeliegenden Technik nur ein paar Tage, vergleichbare Rollouts im Netzwerkbereich aber bis zu einem halben Jahr. Deshalb verspricht Bea hier Abhilfe. Die Serviceprovider sollen beispielsweise mit dem Produkt ‘WebLogic Network Gatekeeper’, das die Programmiersprache Parlay unterstützt, echte Telecom Web Services bauen und das Netzwerk gewissermaßen aufbrechen können. Sholay: “Bei neuen Produkten drehen sich die wichtigsten Fragen um Policies innerhalb des Service, weil nach der Investition bei den meisten Unternehmen die Frage nach der Sicherheit und Authentisierung kommt – daher erlaubt das Produkt von vornherein ein schnelles Checken, Bauen und Aufsetzen von neuen Diensten, sowohl im Festnetz als auch für Mobilfunk-Provider”, sagt er.

Unter anderem mit solchen Produkten bedient Bea dann drei Produktbereiche, die sich ausschließlich an die TK-Branche wenden. Das sind zum einen die ‘Web Logic Communications Platform’ als grundlegende Netzwerk-Infrastruktursoftware für IP Multimedia Subsysteme und TK-Dienste der nächsten Generation. Zum anderen gibt es erneuerte und besser an TK-Bedürfnisse angepasste Lösungen für Service Delivery und SOA. Und zum dritten sollen sich die Kunden für Applikationsinfrastruktur interessieren und für diesen Bereich neue Produkte anschaffen, die konvergentes Arbeiten erlauben.

“Hier spielt in nächster Zukunft die Musik”, meint Sholay in Bezug auf die Marktentwicklung und die Gründe für Bea, dort einzusteigen. “Wir bilden die drei Hauptstützen für TK-Provider in unseren Produkten ab, weil sich SOA nicht mehr aus der Telekommunikation heraushalten lässt – SOA wird nicht mehr länger ausschließlich auf die IT-Bereiche angewendet werden, sondern bald schon auf das Netzwerk als solches.” Dabei präzisiert er, dass nicht SOA im herkömmlichen Sinne als unternehmensweite Softwareunterstützung beim Liefern bestimmter Services und der Unterstützung von Prozessen gemeint sei. Es geht ihm um die SOA-Idee.

Ein Kernstück dabei ist für den Konzern das IP Multimedia Subsystem. Darunter versteht der Konzern eine Zielarchitektur, die derzeit von verschiedenen Standardisierungsgremien – darunter der IETF – präzise ausgerichtet wird. Sie soll vorgeben, wie Dienste und Anwendungen auf beliebigen Netzwerken aufsetzen können. Dabei berücksichtigt sie Festnetz und Mobilfunk. Für noch mehr Flexibilität sind die Netzwerkinfrastruktur und die Applikationsschicht getrennt zu behandeln, zentralisierte Nutzerprofile sorgen für Überblick und der Eintritt neuer Technikpartnergruppen, beispielsweise von IT-Dienstleistern, ist ausdrücklich vorgesehen. Wegen dieser Faktoren erwartet der Bea-Manager, dass sich “IBM, Oracle und Microsoft früher oder später auch in diesen Markt bewegen werden”. Bea sieht dem als Mitinitiator der neuen Architektur mit Gelassenheit entgegen.

SOA für den TK-Bereich ist also nicht mit Software- und Prozessfragen aus der IT-Welt zu verwechseln. “Wir blicken eher auf die Prinzipien von SOA, also die Entwicklung, Einpassung und das Anbieten von Services, die speziell für bestimmte Aufgaben geschrieben werden”, so Neil Sholay. Diese seien sehr wohl für TK-Arbeit interessant, weil nach der Erfahrung von Bea sich die Netzwerke und die integrierten Subsysteme für Kommunikation aufeinander zu bewegen. Die Haupttrends will Bea damit vollständig bedienen: Konvergenz von TK-Netzwerk und IT, Forderung nach standardisierten Plattformen für leichteres Verwalten und Ausrollen und mehr horizontale Architekturen über die Technikwelten hinweg. Die bislang noch “sehr proprietären Anwendungen für konvergentes Mobile und Festnetzgeschäft” sollen ihm zufolge bald auf einer offenen Architektur – beispielsweise von Bea – aufsetzen. Sholay: “Unser Konzept vom IP Multimedia Subsytem bringt das Beste aus der Web-Welt in die TK.”