Yahoo schießt die Gegenwart ins All

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Wie sah die Welt im Jahr 2006 aus? Wer hat dort gelebt und wie? Damit Menschen oder Außerirdische auch in Zukunft eine Antwort erhalten, dafür will jetzt Yahoo sorgen.

Von heute an bis zum 8. November können die Menschen der Gegenwart Bilder, Videos, Audioaufnahmen oder Kommentare schreiben, die Yahoo speichert und für die Nachwelt konserviert. Zum ersten Mal würden “digitale Daten zu historischen Zwecken zusammengetragen und aufgehoben”, heißt es auf der Site timecapsule.yahoo.com – die Anlaufstelle für das ‘Projekt Zeitkapsel’.

Mit den Informationen sollen gleich mehrere Wesen versorgt werden. Zum einen die Außerirdischen. In einem Festakt werden die gesammelten Werke vom 25. bis zum 27. Oktober ins All geschossen. Zeitgleich sind die Inhalte der Kapsel projiziert auf die Sonnenpyramide in Teotihuacán, Mexiko zu sehen.

Danach kommen die irdischen Bewohner wieder an der Reihe. Yahoo übergibt eine Sammlung der Momentaufnahmen versiegelt der Smithsonian Institution’s Folkways Recordings, dem nach eigenen Angaben größten Museumskomplex der Welt, und der Global Sound in Washington D.C., eine amerikanische Forschungs- und Bildungseinrichtung, die zahlreiche Museen beinhaltet. Eine weitere Kopie vergräbt der Portalbetreiber auf seinem Firmengelände. 2020 dann, wenn Yahoo 25 Jahre alt wird, will man die Kapsel wieder ausgraben und öffnen. 

“Die Zeitkapsel besteht aus zehn Rubriken: Liebe, Leid, Ärger, Schicksal, Schönheit, Spaß, Vergangenheit, Hoffnung, Jetzt und Sie”, erklärt Jonathan Harris, der die Webseite erstellt hat. “Jede Rubrik beherbergt eine unbeantwortete Frage: Was lieben wir? Was macht uns traurig? Was macht uns wütend? Woran glauben wir? Was ist schön? Was macht Spaß? Woran erinnern wir uns? Was wünschen wir uns? Beschreiben Sie Ihre Welt. Wer sind Sie? Jeder Menschen beantwortet diese Fragen auf fünf einfache Arten: mit Texten, Bildern, Videos, Sounds und Zeichnungen.”

Eines der grundlegendsten menschlichen Charakterzüge, so alt wie die Höhlenmalereien, sei das Bedürfnis zur Selbstdarstellung, meint Harris. “Wir zeichnen, machen Fotos, schreiben Geschichten, bloggen – das alles tun wir um uns von anderen zu unterscheiden, um der Anonymität zu entrinnen und der Zeit ein Schnippchen zu schlagen.”

Die Vorstellung, dass die gesammelten Werke von YouTube oder MySpace in den großen Weiten des Weltalls umherfliegen, stimmt nicht gerade optimistisch, dass sich irgendein Außerirdischer noch mit uns unterhalten mag.