Der Business-Wert der Automation

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In vielen Unternehmen ist das Management der IT-Infrastruktur allein schon hinsichtlich einer schnellen Provisionierung eine Herausforderung. Für sie ist ein breites Spektrum von Technologien, Lösungen und Prozessen verfügbar. Von den Management-Technologien ist Automation eine der leistungsstärksten.

Automation ist keine rein technologische Entscheidung. Zunächst und hauptsächlich ist es eine Business-Entscheidung. Ohne Automation kann es zunehmend schwerer werden, das Geschäftswachstum zu unterstützen, bis zu einem Punkt, an dem es gänzlich unmöglich wird. Wenn es zutreffend ist, dass jedes Unternehmen ein Technologieunternehmen wird, wie der Chief of Research von Gartner 2013 prognostizierte, dann wird Automation ein “Must-have”-Tool für das Business und nicht nur für die IT.

Massimo Ferrari ist Management Strategy Director bei Red Hat (Bild: Red Hat)
Massimo Ferrari, der Autor dieses Gastbeitrags für silicon.de, ist Management Strategy Director bei Red Hat (Bild: Red Hat)

Es gibt vier Gründe, warum Automation ein optimales Instru-ment für die Verwaltung von Large-Scale-IT-Umgebungen ist: weniger Zeitvergeudung, weniger Komplexität, weniger Fehler und weniger Ungewissheit.

Automation optimiert den IT-Betrieb

Um das Wachstum voranzutreiben, kann ein Unternehmen mehr Services anbieten oder einen bestehenden Service erwei-tern – etwa mit der Bereitstellung verschiedener Service-Levels oder unterschiedlicher anforderungsspezifischer Anpassungen. Sehr wahrscheinlich ergreift ein Unternehmen beide Optionen, und zwar mehrmals im Laufe der Zeit. Dementsprechend entwi-ckelt sich auch die IT-Umgebung kontinuierlich weiter, von einer relativ einfachen Struktur mit begrenzter Kapazität hin zu einem Large-Scale-Dschungel mit mehreren Sprachen, Plattformen und Architekturen, die für viele Jahre unterstützt werden müssen.

Um die Evolution der IT-Umgebung zu beschreiben, hat Red Hat basierend auf den zwei Dimensionen Größe und Komplexität ein Reifegradmodell entwickelt. Gemäß dem Modell muss für ein erfolgreiches Business die unterstützende IT-Infrastruktur sowohl im Hinblick auf die Größe – mit dem Hosting einer steigenden Anzahl an Workloads – als auch hinsichtlich der Komplexität – mit dem Hosting eines zunehmend diversifizierten Workload-Sets – wachsen.

Das Reifegradmodell von Red Hat (Grafik: Red Hat)
Das Reifegradmodell von Red Hat (Grafik: Red Hat)

Um eine solche Evolution zu unterstützen, gibt es zwei Optionen: Die Einstellung neuer Mitarbeiter in gleichem Maße wie die Infrastruktur wächst, oder die Ausstattung der IT mit neuen Tools, die eine hohe Skalierbarkeit bieten. Nichts zu tun, ist nicht wirklich eine valide Option, weil nicht davon auszugehen ist, dass das Management einer zunehmenden Größe und Komple-xität mit einer meistens kleinen Anzahl von Mitarbeitern zu leisten ist.
Um das Ganze in einen größeren Kontext einzuordnen, kann man auf die TCO-Untersuchung einer auf OpenStack basieren-den Private Cloud zurückgreifen, die Red Hat im letzten Jahr veröffentlicht hat.

In der Studie wird von der Annahme ausgegangen, dass sich die Anzahl der Workloads jedes Jahr verdoppelt. Entscheidet sich ein Unternehmen also – hypothetisch betrachtet – gegen eine Investition in die Automation, müsste auch die Zahl der IT-Mitarbeiter verdoppelt werden. Es liegt auf der Hand, dass dies unter Recruiting-Gesichtspunkten eine her-ausfordernde, wenn nicht unmögliche Aufgabe ist. Dafür gibt es mehrere Gründe: ein begrenztes OPEX-Budget, langwierige Einstellungsverfahren oder ein Fachkräftemangel auf dem Markt.

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Im zweiten Szenario mit einem Fitnessprogramm für die IT durch neue Tools – vorausgesetzt die richtigen Tools werden eingesetzt – können im IT-Betrieb in derselben Arbeitszeit mehr Aufgaben erledigt werden. Die neuen Tools müssen dabei auf eine einfachere Handhabung, höhere Flexibilität bei der Anpassung an neue Use Cases, schnellere Rechenleistung oder einen Mix dieser drei Kriterien ausgelegt sein. Zum Beispiel kann Automation helfen, Applikationen schneller bereitzustellen und Störungen schneller zu beheben.

IT-Automation unterstützt IT-Betriebsteams beim Management von mehr Workloads in der gleichen Arbeitszeit und reduziert damit auch die Notwendigkeit zur Einstellung zusätzlicher Mitarbeiter, um das Wachstum der Infrastruktur zu unterstützen.

Weniger Komplexität: Automation orchestriert komplexe Services

Ab einem gewissen Punkt führt der Unternehmenserfolg auch zu einer veränderten Marktnachfrage – die Popularität führt zu einem erweiterten Interessentenkreis. Auf das Unternehmen bezogen kann diese Dynamik bedeuten, dass die Geschäftsbereiche, die die IT unterstützt, die Bereitstellung von Services fordern, die nicht geplant oder weit komplexer als ursprünglich gedacht sind.

(Bild: Shutterstock/Jaromir Chalabala)

Ein Beispiel kann dies verdeutlichen: Wird ein Cloud-Computing-Angebot mit einigen wenigen hochstandardisierten Services sehr erfolgreich, kann daraus auch eine steigende Nachfrage nach zusätzlichen, komplexen Kundenservices resultieren. Jeder dieser Kundenservices beinhaltet viele Applikationsschichten, die koordiniert werden müssen, und zwar hinsichtlich Provisioning, Konfiguration, sequenzieller System-Updates, Patching, Migration (falls erforderlich) oder Stilllegung. Durch die neue Komplexität in der damit verbundenen Größenordnung ist die Gefahr gegeben, dass die Produktivität zurückgeht, wenn keine geeigneten Management-Maßnahmen getroffen werden.

Eine Analogie kann verdeutlichen, wie Automation zur Vereinfachung bei der Orchestrierung komplexer Systeme beitragen kann: das Automatikgetriebe in einem Kraftfahrzeug. Die Steuerung von Getriebe und Kupplung erfolgt durch einen Computer, der auch die Koordination mit Motor, Bremsen, Rädern und vielen anderen Komponenten übernimmt.

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Die Automatisierung des Gangwechsels reduziert die manuellen Tätigkeiten für den Fahrer erheblich, sodass der gesamte Fahrprozess vereinfacht wird; so muss der Fahrer zum Beispiel nicht mehr den Tacho für einen Schaltvorgang im Auge haben. Die Vereinfachung durch die Einführung des Automatikgetriebes ist besonders hilfreich, wenn gewisse Fahrsituationen sich kontinuierlich wiederholen. Zum Beispiel muss der Autofahrer dank der Automation im Stau während des Berufsverkehrs nicht endlos schalten, um zu beschleunigen, abzubremsen und erneut zu beschleunigen.

Wie das Automatikgetriebe im Auto ist auch ein Automatisierungstool für eine große Zahl sich ändernder Teile, sich wiederholender Aufgaben und die Koordination unterschiedlicher Elemente konzipiert, wobei vorhersagbare Resultate erzielt werden.

Um neue Vorgaben zu erfüllen und die Emissionen zu senken, haben Automobilhersteller inzwischen auch effizientere Fahrgetriebe entwickelt, bestehend aus acht oder zehn Gängen. Das manuelle Schalten bei acht Gängen wäre nicht nur komplex und störend, sondern es würde vermutlich auch zu einer höchst ineffizienten Fahrweise führen. In der gleichen Weise können Automatisierungstools die Bereitstellung und Wartung zunenmend komplexerer Applikationen vereinfachen, von einer mehrstufigen Service-Zusammenstellung bis zur Konfiguration von ergänzenden Komponenten wie Netzwerk und Firewall.

Weniger Fehler: Automation reduziert menschliche Fehler

Dass Menschen Fehler machen können, steht außer Frage. Je größer und komplexer eine Umgebung ist, desto höher ist auch die Gefahr von Fehlern. Zum Beispiel kann die IT in Large-Scale-Umgebungen gezwungen sein, mit hohem Zeitdruck zu arbeiten. Der psychische Stress resultiert aus der Einsicht, dass eine Aufgabe – selbst eine einfache – nicht in der vorgegebenen Zeit über alle verwalteten Maschinen hinweg mit geringer Fehlerwahrscheinlichkeit durchführbar ist.

Tesla hat im Model S (Bild: Andre Borbe)
Das Autopilot-Feature von Tesla ist ein gutes Beispiel dafür, wie Automation Menschen unterstützen und zur Fehlervermeidung beitragen kann (Bild: Andre Borbe)

Ebenso muss berücksichtigt werden, dass in Large-Scale-Umgebungen die Menge an hochkomplexen Aufgaben zunimmt. Dies erfordert Fokussierung und Präzision – Skills, über die nicht alle IT-Mitarbeiter verfügen. Zurück zur Automobil-Analogie: Das Autopilot-Feature von Tesla etwa ist ein gutes Beispiel dafür, wie Automation Menschen unterstützen und zur Fehlervermeidung beitragen kann. Automation kann, obwohl sie noch nicht perfekt ausgereift ist, doppelt so zuverlässig sein wie der Mensch als Fahrer.

Weniger Ungewissheit: Automation bereitet auf die Zukunft vor

Im Vorangegangen wurde der Wert der Automation für heutige Herausforderungen beleuchtet, aber Automation kann noch mehr als das. Automation kann Unternehmen auch besser für die Ungewissheiten der Zukunft rüsten. Als ein Abstraktionslayer, der mehrere Elemente der Enterprise-IT verbindet und Skalierung mit minimalem Aufwand bietet, kann Automation als erweiterbare Plattform betrachtet werden, die sich an Marktveränderungen schnell anpassen kann.

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Automation als Plattform baut auf Grundelementen, die bereits in der Computing-Umgebung existieren, auf und vereinfacht die Weiterentwicklung vorhandener und die Konzeption komplett neuer Services. Zum Beispiel kann Automation das Deployment bestehender Applikationen über neue Public- und Private-Cloud-Infrastrukturen hinweg vereinfachen. Automation kann es etwa auch leichter machen, neue IT-Komponenten miteinander zu kombinieren, wie einen neuen Identity and Access Management (IAM) Service mit einem existierenden, um neue Lösungen in einem Bruchteil der Zeit zu konzipieren, die erforderlich wäre für eine Neukonzeption des gesamten Stacks von Grund auf.

Insgesamt ist Automation nicht nur ein hervorragendes Tool für die Erfüllung heutiger Marktanforderungen, sondern auch eine fundamentale Basis für die Weiterentwicklung und das Wachs-tum des Business. Allerdings ist Automation nur eines von vielen technologischen, operativen und kulturellen Elementen, das in einem Unternehmen zur Umsetzung einer Digitalen Transforma-tion beitragen kann. Automation alleine ist nicht ausreichend.