Digitalisierung im Retail: Prognosen für 2018

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Das gute, alte Ladenmodell ist beliebt und nicht wegzudenken – muss sich jedoch modernen Verbraucheranforderungen anpassen. Volker Steinle vom Zahlungsdienstleister Adyen wagt im Gastbeitrag für silicon.de fünf Prognosen, was dabei 2018 wichtig ist.

Seit AmazonGo Ende 2016 Schlagzeilen machte, gab es im Einzelhandel viele spannende Entwicklungen. Dabei stellte sich ganz klar heraus: Das gute, alte Ladenmodell ist beliebt und nicht wegzudenken – muss sich jedoch aktuellen Verbraucheranforderungen anpassen. Technologien werden das Einkaufserlebnis weiterhin in allen Kanälen grundlegend verändern und Einzelhändler müssen sich mehr darauf konzentrieren ihre Läden noch attraktiver und innovativer zu gestalten.

Volker Steinle (Bild: Adyen)
Volker Steinle, der Autor dieses Gastbeitrags für silicon.de, ist Country Manager Germany des Zahlungsdienstleisters Adyen. (Bild: Adyen)

Unified Commerce wird zur Norm

Moderne Verbraucher erwarten Effizienz, sei es bei Online-Einkäufen oder in einem traditionellen Ladengeschäft. Das bedeutet für Einzelhändler: Warteschlangen-Management, vielfältige Zahlungsmöglichkeiten und nahtlose Omnichannel-Erfahrungen. In einer aktuellen Umfrage fand Adyen heraus, dass Käufer aller Altersstufen häufiger einkaufen würden, wenn sie Warteschlangen vermeiden könnten und beispielsweise die Möglichkeit hätten, online gekaufte Artikel im Laden umzutauschen.

Kundenpräferenzen mit Big Data vorzeitig erkennen

In diesem Jahr ist es für Einzelhändler ein Muss, Insights zu ihren Käufern zu analysieren, um ihre Verkaufszahlen und ihr Unternehmenswachstum zu steigern. Durch die Live-Shopper-Erkennung können ihnen Einzelhändler Push-Benachrichtigungen über Apps senden, sobald sie den Laden betreten, und ihnen zielgerichtete Angebote nahelegen, die auf ihren individuellen Einkaufsverläufen basieren. Daten von Online-Käufern können zudem zur Erstellung von Heatmaps herangezogen werden, was Einzelhändlern bei der Identifikation potentieller Geschäftsstandorte hilft.

Ladengeschäfte als gemütliche Aufenthaltsorte

Die Zukunft von traditionellen Ladengeschäften war jahrelang unklar. Doch eine Studie von Adyen konnte bestätigen, dass 97 Prozent aller Käufer nach wie vor in Läden einkaufen. Physische Geschäfte bieten Sinneseindrücke, die online einfach nicht nachgemacht werden können. Einzelhändler haben dieses Potenzial entdeckt und versuchen, Verbraucher mit einzigartigen Erlebnissen, die über Kleiderständer und Umkleideräume hinausgehen, in ihre Läden zu locken.

Apple beschrieb Ladengeschäfte kürzlich als “Marktplatz” – also Orte, an denen sich Käufer treffen und austauschen, gemeinsam essen und trinken und Unterhaltungsangebote nutzen. Die Zeiten, in denen man Ladengeschäfte nur zum Kaufen neuer Artikel betrat, sind also eindeutig vorbei.

Im Luxussektor haben Marken wie Fendi, Chanel und Louis Vuitton kreative Pop-up-Stores eingeführt, um sich eine starke Präsenz in den sozialen Medien zu sichern und virale Marketing-Gelegenheiten zu nutzen.

Handel über Messaging-Kanäle

Eine Pizza über Facebook Messenger zu bestellen, das war die Neuigkeit im vergangenen Jahr. Mittlerweile geben Verbraucher immer bereitwilliger Geld über Messenger, WeChat und andere Kommunikationsplattformen aus und diese gesteigerte Nachfrage beschränkt sich nicht nur auf den Kauf von Tickets und die Bestellung von Essen.

Unsere Daten von der Adyen-Plattform bestätigen, dass der durchschnittliche Transaktionswert in der chinesischen Messenger-App WeChat Pay in den letzten Jahren deutlich angestiegen ist. Käufer gewöhnen sich also zusehends daran, mehr Geld über Messaging-Apps auszugeben. Dieser Trend wird sich mit der Ausweitung von Facebook Messenger als Vertriebskanal sicherlich noch verstärken.

(Bild: Shutterstock.com/John T Takai)

Augmented Reality wird zur neuen Realität

In den vergangenen Jahren schien es ein Ding der Unmöglichkeit, die Technologie hinter Pokemon Go für modernes Shopping zu verwenden. Doch Mastercard hat vor Kurzem ein Einkaufserlebnis mit Augmented Reality auf den Markt gebracht, das Smart-Brillen von ODG nutzt und die Identität von Nutzern mittels Iris-Scans überprüft. Diese Innovation wird 2018 in Saks Fifth Avenue erstmals eingesetzt.

In unserer schnelllebigen Welt gibt es jedes Jahr neue Innovationen, die für Schlagzeilen sorgen. Doch Einzelhändler wissen, dass es letzten Endes ganz einfach auf ein optimales Kauferlebnis ankommt. Spannende, neue Technologien sind nur nützlich, wenn Sie für Käufer einen Mehrwert bedeuten. Es liegt also an Ihnen, zu entscheiden, welche der jüngsten Technologietrends zu Ihren Käufern passen.

Und schließlich sollten Sie sich auch bewusst machen, dass es am Ende des Tages keine Rolle spielt, ob Käufer mittels Spracherkennung oder Iris-Scan bezahlen. Eine Transaktion ist eine Transaktion. Sie müssen also lediglich sicherstellen, dass Sie eine Zahlungsplattform zur Verfügung haben, die Transaktionen rasch und effizient abwickeln kann. Nur so gewährleisten Sie, dass Ihre neuesten, spektakulären Kundenerlebnisse nicht an fehlgeschlagenen Zahlungen scheitern.

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