Software-Entwicklung: Modellbasiert oder handgeschrieben?

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Die Zeiten, in denen modellgetriebene Software-Entwicklung als “Quacksalber-Marketing” beschimpft wurde sind zwar vorbei – es brodelt jedoch weiter eine Art Kulturkampf.

“Neue modellbasierte Technologien werden in den nächsten Jahren die Entwicklung von IT-Systemen revolutionieren”, sagt auf der einen Seite Professorin Ruth Breu, Leiterin des Instituts für Informatik der LFU Innsbruck. Unter ihrer Leitung fand in den vergangenen Tagen die Konferenz Modellierung 2006 statt. Diese Entwicklung hat nach Breus Meinung weitreichende Folgen für einen ganzen Berufsstand. “Dadurch verschieben sich die Aufgaben des Informatikers von der technikzentrierten Codierung zur fachlich orientierten Analyse von Systemen.”

Drastischer formuliert es Professor Heinrich Mayr, Rektor der Universität Klagenfurt. Programmieren sei “eintönig und wenig kreativ”, sagte er zum Abschluss der Konferenz. Es schule zwar das logische Denken, deshalb sei es gut, einmal eine Programmiersprache erlernt zu haben. Informatik-Experten würden sich aber in Zukunft immer mehr dem Beschreiben von Software in einem Modell widmen. Der Rest – das Umsetzen von Modellen in Software – werde in Kürze nur noch von Computern erledigt.
 
Tatsächlich hat die Verwendung von Modellen für komplexe IT-Systeme in den letzten Jahren immer mehr Einzug in die Praxis der Software-Entwicklung gehalten. Auf dem deutschen Markt treibt unter anderem das Unternehmen integranova mit seiner Programmiermaschine Olivanova das Thema seit rund zwei Jahren stark voran (Spanische Firma will Software-Branche mit Programmiermaschine revolutionieren – Busi-Soft).

Das System erzeigt aus einem UML-Modell (Unified Modeling Language) vollfunktionsfähige Client/Server-Applikationen in Dotnet (C#, ASP), Java (EJB, JSP) und Visual Basic. Zusätzlich werden SQL-Scripts für die Datenbank generiert. Im Modell werden unter anderem die gesamte Business Logic und die Benutzeroberfläche definiert.

Mit der Firma C5 Solutions wurde nun kürzlich das erste Systemhaus in Deutschland als Solution Provider zertifiziert. “Unsere Entwickler freuen sich über die Programmiermaschine, weil sie nun mit den Auftraggebern Lösungen kreieren können, statt rein handwerklich Sourcecode herzustellen”, sagt C5-Solutions-Vorstand Thomas Reinberger.