FSC-CTO Joseph Reger: Mit x86 gegen IBMs Mainframes

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silicon.de sprach auf der CeBIT mit dem Chief Technical Officer (CTO) von Fujitsu Siemens Computers (FSC). Wir befragten den Experten zu seiner Strategie, auf x86-Basis die neuen Mainframes von IBM anzugreifen. Weiteres Thema: Green IT und Virtualisierung.

Dr. Joseph Reger ist als CTO von Fujitsu Siemens Computers dafür zuständig, die IT-Zukunft-Trends herauszufiltern. Er ist anerkannter Branchenexperte und ist seit 2002 CTO bei FSC. Seitdem hat er im Unternehmen Dynamic IT- und Mobility-Themen maßgeblich begleitet.

silicon.de: Welche technischen Entwicklungen waren für Sie als CTO von Fujitsu Siemens in den letzten drei Jahren am spannendsten?

Reger: Es liegt so ein Berg vor uns, dass ich nur selten zurückschaue. Aber die vielleicht mit Abstand spannendste Sache war die Entwicklung des FlexFrame Systems. FlexFrame ist eine virtualisierte Infrastruktur die speziell für SAP-Umgebungen entwickelt wurde. Das Produkt ist insgesamt sehr erfolgreich.

silicon.de: Lassen Sie uns nach vorne blicken: Sie haben angekündigt, alle wesentlichen Betriebssysteme, die FSC nutzt, auf eine x86-Basis stellen zu wollen. Auch die BS2000-Mainframes. Welche Vorteile bringt das?

Reger: Der historische Rückblick zeigt, dass x86 eine ganze Zeit lang gar nicht das Potential hatte, eine richtig gute Architektur-Plattform zu sein. Der x86 existiert schon seit Ewigkeiten. Die ersten IBM-PCs von 1981, damals noch nicht x86 genannt, gehörten schon zu der Familie der x86-Basis. Und dann kam in den 80er-Jahren der RISC Prozessor und andere alternative Prozessoren. Hier hat der x86 nicht nur überlebt – er hat vielmehr jedes Mal ein Teil von dem, was die neuen alternativen Architekturen als großen Vorteil präsentiert haben, übernommen. So ist die Plattform immer weiter verbessert worden. Heute haben wir eine interessante Kombination einer sehr performanten Hardware-Plattform mit einer sagenhaften Verbreitung, so dass alle Anwendungen im wesentlichem auf der Plattform laufen können.
Das ist ein entscheidendes Kriterium: Die heutige Systementwicklung wird nicht mehr durch technische Fähigkeiten alleine getrieben, sondern durch die vorhandene Software. x86 hat die breiteste Softwareunterstützung, die es überhaupt gibt.
Warum dann gleich alles auf diese Plattform bringen? Weil es Konsolidierungsvorteile mit sich bringt. Das ist ein riesiger Vorteil, weil auf diese Weise unabhängig vom Betriebssystem Anwendungen und Systeme, egal welcher Art, auf die gleiche Plattform konsolidiert werden können.

silicon.de: IBM dagegen hat eigene Prozessoren für die z-Series entwickelt. Ralf Fischer, Projektleiter und Direktor der HW-Entwicklung in Böblingen, hat sechs Jahre an diesem Power-Chip gesessen. Sie halten das für überflüssig?

Reger: Es gibt nur noch ganz wenig Mainframe-Hersteller. Hier in Deutschland sind das IBM und Fujitsu Siemens. Wir gehen nach völlig entgegengesetzten Strategien vor. IBM sagt, die Plattform bleibt wie sie ist. Sie verändern dafür die Software so, dass diese auf der Plattform läuft. Wir sagen, dass die Hardware des Mainframes verändert wird. Und zwar so, dass die Software unverändert läuft. Wir haben gesagt, wir modernisieren die Hardware. Wir gehen soweit, dass wir die Hardware-Frage aus dem Mainframe rausnehmen, indem wir das Betriebssystem auf x86 stellen. Wir stellen es sogar auf eine virtualisierte Plattform, so dass es möglich sein wird, auf der gleichen Infrastruktur Windows und Linux zu fahren. Natürlich gibt es bei der Entwicklung noch viel zu tun, aber lösen eine Herausforderung nach der anderen. Es ist nicht unser erster Versuch – wir haben schon ein Mainframe-System auf MIPS-Prozessoren laufen gehabt, und zur Zeit haben wir eine Mainframe-Serie auf der SPARC-Prozessor-Serie.

silicon.de: Nutzen Sie x86 für Mainframe nur von Intel oder auch von AMD?

Reger: Die Entwicklung läuft momentan auf der Basis von Intel. Eine Zusammenarbeit mit AMD ist momentan nicht geplant.

silicon.de: Wieso eigentlich x86 statt Itanium beziehungsweise Opteron?

Reger: Gegen Opteron hab ich nichts. Wir haben uns in dem Projekt erst einmal dagegen entschieden, es ist für uns später eine Möglichkeit, da die Umstellung von Intel auf AMD Opteron kein großer Aufwand ist. Die ersten Gehversuche wurden tatsächlich auf Itanium gemacht, wir hatten auch geplant die neue BS2000-Variante auf Itanium –Rechnern zu bauen. Jetzt haben wir uns dagegen entschieden, weil die Konsolidierungsvorteile, also dass alles auf der gleichen Plattform laufen kann, für uns und für die Kunden Vorteile bieten. Wir haben das ganz genau analysiert und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass wir die technischen Vorrausetzungen auch auf x86 haben.