Browser-Wahl: Kartellurteil trifft Microsoft kaum

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Fast ein Jahr nachdem die EU Microsoft im Rahmen eines Kartellurteils dazu verurteilt hat, verschiedene Browser zur Auswahl zu stellen, ziehen Branchenbeobachter eine erste Zwischenbilanz. Ihr Urteil: Das Urteil konnte die Dominanz des Internet Explorers kaum eindämmen.

“Ich denke, dass es den Druck auf Microsoft erhöht, dessen Browser ohnehin gerade Marktanteile verliert“, sagt Aodhan Cullen, CEO des irischen Marktforschers StatCounter gegenüber der New York Times. “Aber es hat keine großen Auswirkungen auf die Rankings.”

Nach Angaben von StatCounter fiel Microsofts Anteil auf dem europäischen Browser-Markt von 44,9 Prozent im Januar auf 39,8 Prozent im Oktober. 2009 war der Marktanteil insgesamt um 5,5 Prozentpunkte gefallen, 2008 waren es acht Prozent.

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Der Großteil der Verluste geht zu Gunsten von Google, der Konzern hatte seinen Browser Chrome im September 2008 vorgestellt. Zuletzt konnte der Google-Browser seinen Marktanteil verdoppeln – von 5,8 Prozent im Januar und auf 11,9 Prozent im Oktober dieses Jahres. Allerdings ist es unmöglich die Auswirkungen der erzwungenen Browser-Wahl bei Microsoft von denen des allgemeinen Markttrends zu trennen.

Neu entbrannt ist inzwischen wieder die Debatte, wie wirkungsvoll solche Kartellurteile generell sind. Bei der EU selbst ist man überzeugt, dass die jüngste Entwicklung auf dem Browser-Markt auch etwas mit dem Urteil der Wettbewerbshüter zu tun hat. “Ich denke man kann sagen, dass die fallenden Marktanteile des Internet Explorers so interpretiert werden können, dass der Auswahlbildschirm, die gewünschte Wirkung zeigt”, sagt Amelia Torres, Sprecherin des zuständigen Wettbewerbskommissars Joaquin Almnunía.

Auch Brian Rakowski, Produktmanager für Google Chrome, sagt, dass es unmöglich ist die Wirkung der Browser-Auswahl exakt zu messen. Seiner Meinung hat die Maßnahme aber dazu beigetragen, das Bewusstsein der Europäer für alternative Browser zu verstärken.

Achim Sauerberg, Analyst bei der Hamburger Statistik-Portal Statista, sagt derweil, das Urteil habe lediglich dazu beigetragen, den Status quo unter Europas Internetnutzern zu verfestigen. “Anwender, die sich mit dem Browser-Thema beschäftigen, hatten bereits ihre Wahl getroffen. Deshalb waren keine dramatischen Umschwünge auf dem Markt zu erwarten. Aber ich bin sicher, dass es den Druck auf Microsoft erhöht, den Internet Explorer zu verteidigen. ”

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