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“Geschockt” sei man bei HP über die Aussage Oracles, künftig keine Software mehr für den High-End-Prozessor Itanium entwickeln zu wollen. HP sieht darin einen Angriff auf den freien Wettbewerb zulasten der Anwender. Hersteller Intel verneint ein baldiges Ende des Prozessors.

Rund 90 Prozent aller Itanium-basierten Server werden laut IDC von Hewlett-Packard (HP) ausgeliefert, daher ist diese Reaktion nicht verwunderlich. Geschockt dürfte man allerdings nicht nur bei HP sein, sondern auch einigen Itanium-Anwendern dürfte die Ankündigung nahe gegangen sein.

Oracle wolle ab sofort keine weitere Software mehr für den Itanium entwickeln und sagte im gleichen Atemzug auch der Prozessor-Architektur ein baldiges Ende voraus. Eine Ursache für diesen Schritt, so heißt es von Oracle, sei auch die Tatsache gewesen, dass der frisch gebackene HP-CEO Leo Apotheker bei der Vorstellung der neuen HP-Strategie die High-End-Hardware-Plattform “nicht erwähnt” habe.

“Oracle zeigt wieder einmal, dass es kundenfeindliche Verhaltensmuster pflegt, um das scheiternde Geschäft mit Sun-Servern zu unterstützen”, donnert Dave Donatelli, Chef von HPs Sparte Enterprise Servers, Storage und Networking. “HP ist geschockt, dass Oracle mit einem dreisten Husarenstück den Betrieb bei Firmen und Behörden aufs Spiel setzt und Schäden in dreistelliger Millionenhöhe durch Produktivitätsverluste zumutet, nur um den fairen Wettbewerb zu untergraben.”

Harte Worte von HP, aber die Experten sehen diese Reaktion als gerechtfertigt an: “Es ist alles in allem ein ziemlich ruppiger Schritt von Oracle”, erklärt Forrester-Analyst Richard Fichera in einem Blog. Warum aber kommt Oracles Ankündigung gerade jetzt?

“Oracle befand sich in einer Position in der die Entscheidung über eine Langzeitstrategie zusätzlich das Potential hat, einen Konkurrenten zu schädigen, und so fiel diese Entscheidung sicherlich leichter”, vermutet Fichera. Dabei habe Oracle erklärt, dass diese Entscheidung nichts mit der Konkurrenzsituation mit HP zu tun habe.

Andere Analysten wie Crawford Del Prete von IDC fragen sich, wo denn die Kunden in der ganzen Geschichte bleiben. Und es gibt Anwender des Itanium. Sie sind zwar nicht sonderlich zahlreich – IDC schätzt, dass in Westeuropa knapp 60.000 Itanium-Server installiert sind – aber dafür haben diese Anwender meist große Summen in die Infrastruktur investiert. Und die werden spätestens mit der nächsten Datenbank-Version, so wird etwa die 11gR2 die letzte sein, die Itanium unterstützt, oder etwa mit der nächsten Version von PeopleSoft, die für nächstes Jahr angekündigt ist, ein Problem bekommen.

Oracle und auch HP haben daher angekündigt, Bestandskunden weiter zu unterstützten. Oracle hat weiterhin Support zugesichert und HP werde laut eigenen Angaben Kunden, die Oracle-Software auf Itanium-basierenden Integrity-Servern laufen lassen, sowohl für existierende als auch für kommende Plattformen Support anbieten.

Auch Intel will sich nicht klein kriegen lassen. Paul Otellini, President und CEO, betonte noch einmal, dass das Unternehmen “äußerst engagiert” für den Itanium sei und diese Technologie weiter entwickeln werde. Mehrere Generationen seien derzeit in Arbeit und mit der Entwicklung neuer Itanium-Chips liege man voll im Zeitplan: Poulson werde die nächste Generation mit 32-nm und 8 Kernen sein. Und auf Poulson werde Kittson folgen, auch dieser Prozessor sei bereits offiziell angekündigt und werde bereits heute entwickelt.

Nachdem im Markt nicht zum ersten Mal Zweifel an der Prozessorplattform laut werden, hat HP erst im vergangenen Jahr eine die nächsten zehn Jahre umfassende Roadmap für Itanium und HP-UX vorgestellt. HP dazu: “Das ist die längste veröffentlichte Roadmap eines Unix-Anbieters in der Industrie.” Und vor rund einem Monat, hat die Itanium Solutions Alliance ein Whitepaper vorgestellt, das mehr als 40 Prozent Kostenersparnis beim Itanium gegenüber Spar-Servern vorrechnete.

Der Kauf von Sun Microsystems hat natürlich viele Anwender verunsichert. Nun aber hat Oracle nicht nur die Hardware-Anwender, sondern – und das dürfte deutlich schwerer wiegen – auch die Software-Kunden verunsichert. Es ist mehr als fraglich, ob dieser Schritt Oracle Neukunden beschert. Unzweifelhaft ist aber, dass Oracle damit HP erheblichen Schaden zufügt.

“IBM könnte möglicherweise profitieren und zwar mit einer Kombination der P-Series Server mit AIX als Alternative zu HP-UX”, prognostiziert Forrester-Analyst Fichera. “IBM wird diese Möglichkeit wahrscheinlich nutzen, um das DB2-Marketing auf AIX anzufachen.” Allerdings könnte IBM auch das nächste ‘Oracle-Opfer’ werden, da die Volumina der P-Series denen der HP-UX-Server nicht unähnlich sind und IBM ebenfalls mit Oracle in Konkurrenz steht.

Die Itanium Solutions Alliance hat sich inzwischen auch zu Wort gemeldet. Panik bei den Anwendern hält man offenbar für unangebracht, auch wenn Oracles Entscheidung “viele enttäuscht hat” so gebe es ja noch immer die so genannte Livetime Support Policy von Oracle.

“Aus Anwendersicht gibt es keine Notwendigkeit, eine strategische Verbindung zu HP aufzukünden”, erklärt Fichera. Das Unternehmen habe bereits gezeigt, dass es Hardware-Generationen für die HP-UX-Nutzer überbrücken könne. “Und es gibt keinen Grund zur Annahme, dass es bei einer Transistion zu einem x86-System anders sein wird – Itanium-Anwender können sich drauf einstellen, dass es für viele Jahre beides geben wird und HP hat ja bereits angekündigt, dass es Itanium-Systeme für mindestens eine Dekade unterstützten wird.”

Martin Schindler
Autor: Martin Schindler
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