MariaDB: Red Hat gibt MySQL den Laufpass

Data & StorageDatenbankE-GovernmentManagementOpen SourceRegulierungSoftware

Red Hat will auf die MySQL-Alternative MariaDB wechseln und verabschiedet sich in der nächsten Version des Enterprise Linux (RHEL 7) von MySQL.

MariaDB soll künfig von einer Stiftung geleitet werden.

Nach wie vor gilt MySQL als eines der erfolgreichsten Open-Source-Projekte überhaupt. Allerdings bekommt diese Vorherrschaft immer mehr Risse.

Nachdem bereits mit Wikipedia ein prominenter Nutzer von MySQL auf MariaDB gewechselt ist, kündigt jetzt Red Hat an, der Datenbank MySQL, die inzwischen von Oracle geführt wird, den Rücken zuzukehren.

In der nächsten Version von Red Hat Enterprise Linux 7 (RHEL 7) wird MariaDB den Platz von MySQL einnehmen. Parallel dazu werde Red Hat auch MongoDB untersützen, wie der Hersteller auf dem Red Hat Summit in Boston mitteilt.

Beide Datenbank-Systeme sind folglich künftig auch Teil von CentOS, einer auf Red Hat basierenden Distribution. Fedora, das als Community-Distribution von Red Hat gilt, hatte den Umstieg auf MariaDB schon vor Monaten vollzogen, ebenso wie die konkurrierende – und ebenfalls populäre – Linux-Distribution openSUSE. RHEL und CentOS sind aber die wohl ersten für Unternehmen ausgelegten Linux-Distributionen, die MariaDB einsetzen.

MySQL gilt derzeit als die am weitesten verbreitete quelloffene Software für relationale Datenbanken. Seit dessen Übernahme von Sun Microsystems im Jahr 2010 gehört sie zu Oracle. Große Teile des ehemaligen Entwicklerteams von MySQL um Michael “Monty” Widenius findet sich inzwischen bei MariaDB (oder dem Support-Unternehmen SkySQL), einem Fork von MySQL, der von einer Community weiterentwickelt wird und unter der GNU Public License (GPL) steht. MariaDB und MySQL sind hochgradig kompatibel, von Binärdateien für Bibliotheken und nutzbaren Befehlen bis zu Programmierschnittstellen (APIs). Darüber hinaus bietet MariaDB auch Funktionen, die mit MySQL nicht zur Verfügung stehen.

Für die Leitung der Entwicklung von MariaDB wurde die Firma Monty Program – mit Widenius als CEO – gegründet. Ihr hat sich erst Ende April auch SkySQL angeschlossen, ein weiteres Unternehmen, das aus früheren Topmanagern von und Investoren in MySQL entstand. Das gemeinsame Unternehmen wird SkySQL heißen, während die Community in der neu gegründeten MariaDB Foundation beheimatet sein wird.

Neben Performance-Gründen dürfte gerade bei Open-Source-affine Unternehmen wie Red Hat,  SUSE Linux oder auch Wikipedia, vor allem die Tatsache für MariaDB sprechen, dass die Datenbank innerhalb dieser unabhängigen Stiftung aufgehoben ist. Auch wenn es bei MariaDB derzeit viele gute Nachrichten gibt, rät silicon.de-Blogger Kaj Arnö, bei SkySQL für Collaboration verantwortlich, die Kirche im Dorf zu lassen:

“Jedoch spielt diese Alternative (MariaDB) in einer ganz anderen Liga als MySQL. Dieser Datenbank-Kern der Standard Linux-Infrastruktur kommt auf circa 50 Millionen Installationen weltweit. Gegenüber diesem Elefanten ist MariaDB gemessen an der Zahl der Installationen ein mittelgroßes Nagetier. Außerdem gibt es um MySQL ein beachtliches Umfeld von Software-, Support- und Consulting-Firmen.”

Aber auch er führt das wachsende Interesse an MariaDB vor allem auf Oracles Politik zurück: “Wenn Oracle eins der erfolgreichsten Open-Source-Produkte ausbremst, auch noch mit typisch proprietären Maßnahmen begleitet, nimmt die Community das sehr übel.”

Somit dürfte mit dieser Ankündigung Red Hats das “Nagetier” MariaDB um einige Konfektionsgrößen wachsen.

MySQL heißt so übrigens nach Widenius’ älterer Tochter My, MariaDB nach der jüngeren. Widenius hat außerdem einen Sohn namens Max, der für das aktuell von SAP entwickelte Datenbank-Management-System MaxDB Pate stand.

[mit Material von Florian Kalenda, ZDNet.de]

Tipp: Wie gut kennen Sie sich mit Open-Source aus? Überprüfen Sie Ihr Wissen – mit 15 Fragen auf silicon.de.