Choreographie und Orchestrierung – im IT-Service-Management entscheidend

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Choreographie und Orchestrierung – im Alltag verbinden wir diese Begriffe mit einer musikalischen Aufführung und Ballett. Beide tauchen jedoch auch in der Informationstechnologie auf und spielen im IT-Service-Management (ITSM) eine wichtige Rolle. Die erklärt Kalyan Kumar, Executive Vice President & CTO – IT Services bei HCL Technologies im Gastbeitrag für silicon.de.

Was ist eine Choreographie, was ist Orchestrierung und worin liegen die Unterschiede? Bei einer Ballettaufführung führen ein oder mehrere Tänzer eine Bewegungsfolge auf, die sogenannte Choreographie. Diese wird von einem Choreographen eingeübt, der jedoch während der Vorstellung nicht in Erscheinung tritt. Die Zuschauer sehen nur die Darsteller oder die Gruppe.

Kalyan Kumar (Bild: HCL)
Kalyan Kumar, der Autor dieses Gastbeitrags für silicon.de, ist Executive Vice President & CTO – IT Services bei HCL Technologies (Bild: HCL)

Unter Orchestrierung hingegen versteht man die Anordnung und Leitung von musikalischen Partituren, um eine gewünsche Melodie zu spielen. Die Musik wird von einem Orchester gespielt, die einzelnen Musiker werden dabei von einem Dirigenten geleitet. Beim Konzert stehen dann jedoch nicht die einzelnen Musiker im Vordergrund, sondern das gesamte Orchester. Wie ein ideales Zusammenspiel zwischen Choreographie und Orchestrierung aussieht, veranschaulichen Bollywood-Filme, bei denen ein perfektes Zusammenspiel zwischen Musik und Tanz herrscht.

Bedeutung ist in der Informationstechnologie ähnlich

Im Rahmen von ITSM ist die Bedeutung der beiden Begrifflichkeiten ähnlich. Unter Choreographie wird die Planung und Kontrolle von autonomen Prozessen zusammengefasst. Die einzelnen Aufgaben, Prozesse oder Dienstleistungen interagieren miteinander – ähnlich wie Sequenzen, die im Vorfeld entwickelt und angelernt wurden. Im Vorgrund steht dabei ein vorher definiertes Ziel der einzelnen Element, die Choreographie bleibt vorborgen. Die Orchestrierung hingegen koordiniert die einzelnen Prozsse in autokratischer Weise und definiert die Ziele. Das Resultat basiert auf dem Orchester, das im Mittelpunkt steht.

Wo werden Choreographie-basierte Modelle eingesetzt?

Neben der Überwachung von IT-Landschaften sind Choreographie-basierte Modelle auch bei der Implementierung von Micro-Services im Einsatz. Im Rahmen des Monitoring werden sowohl Systeme und Netzwerke als auch Composite-Anwendungen überwacht. Dabei lassen sich die Überwachungssysteme zentral über einen Management-Server steuern, was in einer dynamischen Micro-Services-Umgebung zu Behinderungen führen kann. Das eigentliche Monitoring setzt auf Micro-Services auf, welche sich mit den anderen Überwachungsdiensten innerhalb der IT-Landschaft choreografieren. Die Kommunikation via RESTful-Schnittstellen lässt die Gesamtauslieferung der Services noch agiler werden. In Verbindung mit einem Orchestrated Service Layer ist dieser Prozesse sowohl kontrollierbar als auch skalierbar.

Choreographie Orchestrierung
Das individuelle Element steht im Mittelpunkt Das Orchester steht im Mittelpunkt
Ziel sind eine höhere Geschwindigkeit und Agilität Ziel ist die Benutzererfahrung
Intern und auf die Technologie ausgerichtet Extern und auf das Geschäft ausgerichtet
Innerhalb von Domains Zwischen Domains
Der Fokus liegt auf der Effizienz Der Fokus liegt auf der Effektivität
Control Tower SIAM Directive SIAM
autonom autokratisch

Durch die Implementierung von Micro-Services erhalten die Business-Service-Layer eine Autonomie. Dadurch können die Dienste auf Basis von festgelegten Service-Grenzen selbst choreografieren. Die einzige orchestrierte Einheit ist der oberste Composite-Servicekatalog. Sie betreibt die entsprechenden Micro-Services und verwaltet ihre I/O eigenständig. Werden die Micro-Services in Containern als vollständig eingeschlossene Laufzeiten bereitgestellt, wird der Multiplikator-Effekt der Choreographie exponentiell.

Orchestrierung in der Praxis

Automatisierung (Bild: Shutterstock/Alexander Supertramp)

Oftmals besteht ein Dienst aus dem Servicekatalog aus verschiedenen Funktionen und benötigt die Cloud-Orchestrierung mehrerer Dienstleister für die Bereitstellung. Insbesondere XaaS-Modelle wie Platform as a Service (PaaS) und Software as a Service (SaaS) benötigen zur Provisionierung eine Cloud-Orchestrierung über mehrere Elemente hinweg.

Ein typisches Szenario: Eine Firma beschafft für seine Mitarbeiter E-Mail as a Service sowie persönliche Storage as a Service und bietet einen virtuellen Desktop an. Die Domain-Authentifizierung und Verzeichnis-Dienstleistungen bleiben hingegen intern. So wird die Personalabteilung zum Dienste-Integrator für “New Hire”-Services.

Task Automation (Grafik: silicon.de)

Kommt ein neuer Mitarbeiter ins Unternehmen, müssen unterschiedliche, einzelne Services von verschiedenen Anbietern ausgeführt werden. Die Domänenkonto-Erstellung löst ein neues E-Mail-Konto aus. Dieses wiederum wird benötigt, um dem Mitarbeiter einen virtuellen Desktop und den Zugriff auf Google Drive bereitzustellen. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, eine manuelle Dienstausführung zu implementieren, wenn ein physisches Notebook ausgeliefert und der Domain hinzuzufügen ist.

Auch Service Integration und Management (SIAM) sind ein gutes Beispiel für Orchestrierung in der Praxis. Analysten wie Gartner sind sich einig, dass ein komplexes Multivendor-Modell für IT-Services eine Orchestrierung zwischen den einzelnen Anbietern erfordert, die in einem hart umkämpften Wettbewerb stehen. Dazu sind Multi-Sourcing-Liefermodelle notwendig, die sowohl Transparenz als auch Sichtbarkeit über mehrere Vendor-Systeme und -Prozesse hinweg bieten.

Dienstleister, die SIAM anbieten, orchestrieren die operativen Aktivitäten von mehreren Service Providern. Ein kritischer Incident-Management-Prozess ist ein prädestiniertes Beispiel für eine solche Vorgehendsweise. Dabei führt der Incident-Manager als Orchestrator verschiedene Services zusammen und steuert diese, um die Dienste wiederherzustellen.

Task Automation (Grafik: silicon.de