Inklusion, Vielfalt und Gleichberechtigung in der Tech-Branche

Es gibt eine direkte Verbindung zwischen dem Innovationspotenzial im Unternehmen und der Vielfalt von Teams, sagt Gastautorin Meri Williams von Pleo.

Wann immer sich Unternehmen zu Vielfalt, Integration und Gleichberechtigung am Arbeitsplatz verschreiben, eröffnen sich neue Möglichkeiten der nachhaltigen Unternehmensführung. Studien haben gezeigt, dass es eine direkte Verbindung zwischen dem Innovationspotenzial im Unternehmen und der Vielfalt von Teams gibt. Das liegt unter anderem daran, dass diverse Teams eine breite Palette von Perspektiven und Erfahrungen mitbringen und Probleme aus den unterschiedlichsten Winkeln beleuchten. So sorgen sie für differenzierte Lösungsansätze.

Neurodiverse Menschen überdurchschnittlich vertreten

Insbesondere der Technologiesektor birgt das Potenzial, Inklusions- und Diversitätsbestrebungen nachhaltig weiter nach vorne zu bringen. Erfreulich: Bereits jetzt sind viele Nationalitäten in der Tech-Branche vertreten. Daneben ist auch festzustellen, dass neurodiverse Menschen im Vergleich zur durchschnittlichen Bevölkerung überdurchschnittlich im IT-Segment vertreten sind. Unterrepräsentiert sind jedoch, wie auch in vielen anderen Branchen, Frauen, non binäre Menschen, als auch ältere Fachkräfte. Angesichts des eklatanten Fachkräftemangels im Technologiesektor – 137.000 Stellen sind derzeit vakant – eigentlich nicht akzeptabel.

Aber wie sieht der Weg hin zu einem inklusiven und integrativen Arbeitsplatz aus? Fest steht: Solch ein Arbeitsplatz entsteht nicht von heute auf morgen. Hier ist ein strategischer Ansatz unabdingbar, der in die Gesamtstrategie eines Unternehmens eingebettet wird. Die Unternehmen müssen dabei konkrete Inklusions- und Diversitätsziele und auch die einzelnen Schritte bis dahin festlegen, umsetzen, messen und evaluieren. So kreieren sie nach und nach ein Arbeitsumfeld, das sich auf Teilhabe und Wertschätzung stützt – von und mit  Menschen mit den unterschiedlichsten Backgrounds.

Maßnahmen für mehr Inklusion und Vielfalt 

 Möchten Unternehmen Bewerber*innen aus einem vielfältigen Pool anziehen, kommen sie nicht umhin, inklusive Rahmenbedingungen zu schaffen. Flexible Arbeitszeitmodelle unterstützen Arbeitnehmende dabei, Arbeit und Privatleben unter einen Hut zu bekommen – insbesondere für Eltern oder Mitarbeitende, die Pflegearbeit leisten, ist das ein wichtiger Baustein für die  Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Auch Offenheit in Bezug auf verschiedene Bildungshintergründe sind wichtig, da “klassische”, geradlinige Lebensläufe an der Lebensrealität vieler Bewerber*innen vorbei gehen – Quereinsteiger*innen, Wiedereinsteiger*innen oder Absolvent*innen von Coding Bootcamps, aber auch Autodidakten bringen wichtiges Know How ins Unternehmen. Grundsätzlich ist hier ein flexibles Mindset von Führungskräften  gefragt, um individuellen Bedürfnissen gerecht zu werden und Inklusion, Vielfalt und Gleichberechtigung in Unternehmen den Weg zu ebnen.

Damit Inklusion und Vielfalt im Unternehmen wirklich gelingt, empfehlen sich folgende Maßnahmen:

  1. Bewusstsein schaffen und schärfen: Schulungen zum Thema Vielfalt, Gleichberechtigung und Integration sollten regelmäßig und unternehmensweit über alle Hierarchieebenen hinweg durchgeführt werden.
  2. Mentoren*innenprogramme: Mentoren*innen unterstützen Mitarbeitende bei der beruflichen Weiterentwicklung im Unternehmen. Gleichzeitig stellen sie sicher, dass das Arbeitsumfeld auch sozialen Aspekten in der Zusammenarbeit, wie z.B. Zugehörigkeitsgefühl oder Wertschätzung, gerecht wird.
  3. Code of Conduct oder Kommunikationsrichtlinien bestimmen den Rahmen des täglichen Miteinanders am Arbeitsplatz. Sie umfassen sowohl Verhaltensrichtlinien, als auch Kommunikationsrichtlinien, wie beispielsweise die Nutzung inklusiver Sprache in interner und externer Kommunikation.
  4. Flexible Arbeitsmodelle: Insbesondere Eltern und Menschen, die Angehörige pflegen, profitieren von flexiblen Arbeitszeitmodellen oder Job-Sharing-Modellen. Allgemein gilt jedoch, flexibel auf individuelle Lebensumstände zu reagieren.
  5. Sichtbarkeit und Repräsentation: Besonders wichtig ist die gezielte Gewinnung und Förderung von Mitarbeiter*innen aus unterrepräsentierten Gruppen, die auch in Führungspositionen vertreten sein sollten.
  6. Inklusions- und Gleichstellungsbeauftragte vermitteln nicht nur zwischen Unternehmen und Beschäftigten, sondern auch zwischen Beschäftigten.
Vielfalt, Inklusion und Gleichberechtigung als strategischer Vorteil

In der Tech-Branche sind Vielfalt, Inklusion und Gleichberechtigung am Arbeitsplatz unverzichtbar, um eine positive und dynamische Unternehmenskultur aufzubauen. Indem Unternehmen aktiv daran arbeiten, ein integratives Arbeitsumfeld zu schaffen, können sie nicht nur die psychische Gesundheit und das Wohlbefinden ihrer Mitarbeitenden fördern, sondern auch deren Produktivität steigern. Teams, in denen jedes Mitglied gehört und wertgeschätzt wird, arbeiten motiviert, glücklich und produktiv. Insgesamt sind Vielfalt, Inklusion und Gleichberechtigung im Tech-Sektor nicht nur ethisch geboten, sondern auch ein strategischer Vorteil für Unternehmen, die Innovation, Wachstum und langfristigen Erfolg anstreben.

 

Meri Williams

ist Chief Technology Officer des Fintech-Unicorns Pleo, einem cloudbasierten Finanzmanagementsystem.