Krieg und TK-Firmen: eine profitable Achse

Management

Infrastrukturen müssen schnell wieder aufgebaut werden

Der Irak-Krieg hat noch nicht begonnen, doch ein Teil der Industrie macht sich jetzt schon Gedanken um positive Impulse in der Zeit danach. Sobald die Waffen wieder schweigen, könnten sich vor allem für den gebeutelten TK-Sektor vereinzelt positive Effekte ergeben.

Stephen Prentice, Vice President bei Gartner Research, warnt zwar davor, von einer breiten Markterholung durch Nachkriegsgeschäfte zu reden – auch seien die zu erwartenden Aufträge an einige wenige gerichtet. Allerdings trete hier die “klassische Standardsituation” ein, sagte er im Gespräch mit silicon.de.

“Telekommunikationsleitungen sind heute mit die kritischsten Ziele”, sagt er. Er fügt aber gleich an: “Ob und wann die Wiederaufbau-Investitionen anlaufen, hängt sehr stark von der politischen und ökonomischen Stabilität im Land ab – kein Investor setzt sein Geld gern in den Sand.” Auch wenn es zynisch klinge, sagte er, dieses Thema sei “eines der Top-Themen” am Rande des gerade laufenden Gartner-Symposiums in Florenz und werde heftig diskutiert.

Der Chefanalyst weiß auch, wer die Aufträge erhalten dürfte. So sind seiner Ansicht nach die Hersteller von öffentlicher Kommunikationsinfrastruktur die Nutznießer einer solchen stabilen Situation. Prentice: “Die Aufträge werden nicht unmittelbar die gesamte TK-Branche anschieben – und die mittelbaren Effekte werden auch nach der Stabilisierung noch etwas auf sich warten lassen.” Er spricht hier davon, dass die Grundinvestitionen andere Investitionen, wie spätere Nach- und Aufrüstungen der verlegten Netzsysteme nach sich ziehen können.

Es gibt hierfür Präzedenzfälle aus jüngster Vergangenheit: Im Anschluss an den letzten Jugoslawienkrieg hatte beispielsweise der Siemens-Konzern nur wenige Tage nach Ende der Bombardierung Belgrads öffentlich gemacht, dass er den Zuschlag für den Aufbau eines Teils des TK-Netzes im Kosovo erhalten habe. Ähnlich gut hat der Konzern nach dem Ende des Afghanistan-Krieges vor wenigen Monaten abgeschnitten und den millionenschweren Vertrag ebenfalls kurz nach Ende des Krieges bekommen.

Prentice bezeichnet die Münchner denn auch als “die klassischen Anbieter, die eine stabilisierte Situation nach einem Krieg nutzen können”. Nur wenige international aufgestellte Konzerne seien seiner Ansicht nach auf solche Großprojekte spezialisiert und darin erfahren, so etwas zu stemmen.

Nicht nur in Europa, auch in den USA wird das Thema in der Branche besprochen. Hier ist zwar die Stimmung Umfragen zufolge noch getrübt von der Ungewissheit. Aber die meisten Unternehmenslenker aus der Branche sind Marktbeobachtungen zufolge davon überzeugt, dass von einem Wiederaufbau nach den militärischen Schlägen die TK-Firmen noch vor anderen Industriezweigen profitieren könnten. “Ähnlich wie im Kosovo,” so lautet die Prognose.

Für die Investoren scheint lediglich unklar, wann sie Geld locker machen sollen. Ein Industrieanalyst drückt die Stimmung so aus: “Investoren können mit Schwarz-Weiß-Bildern sehr gut umgehen, schwieriger wird es, solange alles im Graubereich und voller Eventualitäten ist.”