AOL soll die größte Kneipe im Internet werden

Management

Nach dem Weggang ihres Gründers Steve Case ist der Eigner von America Online, der Medienkonzern Time-Warner, hektisch darum bemüht, eine neue Rolle für den Provider zu finden.

Nach dem Weggang ihres Gründers Steve Case ist der Eigner von America Online, der Medienkonzern Time-Warner, hektisch darum bemüht, eine neue Rolle für den Provider zu finden. “AOL muss sein Geschäftsmodell verändern”, erklärte der Time-Warner-Chef Richard Parsons. Man müsse das Unternehmen zu einem Produkt machen, das die Kunden auch dann kaufen, wenn sie über einen anderen Anbieter im Internet sind.
Und so soll der Provider zu einem Vertriebskanal für TV-Sendungen und Filme werden, zu einer Art Pay-TV im Internet. Zunächst müsse man Inhalte einkaufen. Parsons sagte gegenüber der Financial Times Deutschland, er würde den einstigen Internet-Giganten gerne in einer Rolle ähnlich dem Bezahlsender HBO sehen, der mit beliebten Produktionen wie ‘Sex and the City’ viele Kunden anlockt. Auch hier würden viele Inhalte zugekauft. Wie das bei AOL realisiert werden soll, werde sich im kommenden Jahr zeigen.

Ein anderes Geschäftsvorhaben von America Online erzeugt Skepsis bei den Analysten. Mit dem Dating-Service Love.com will der Konzern endlich Geld aus dem frei erhältlichen Instant Messenger schlagen. “Was wir wollen ist, die größte Kneipe der Welt eröffnen, für Leute, die Bekanntschaften schließen wollen”, sagte Steven McArthur, Vice President von AOL Messaging.

So soll etwas von dem großen Erfolg des Messaging-Systems sich auch in barer Münze bezahlt machen. Etwa 5 Millionen von insgesamt 50 Millionen registrierten Usern sind ständig online. Hier soll für den Einsame-Herzen-Dienst auch geworben werden und nicht bei seinen 24 Millionen Providerkunden, da AOL mit Match.com, ebenfalls ein Dating-Service, schon in Vertrag ist.

So steht man in Konkurrenz zu anderen Diensten wie Yahoo Personals, die bereits einen sehr großen Kundestamm haben. Der Jupiter-Analyst David Card zeigte sich gegenüber der Washington Post wenig begeistert: “Das ist ein ‘kontraintuitiver’ Ansatz, denn Instant Messaging ist hierzulande etwas, was man mit jemandem macht, den man bereits kennt.”