Sun lässt Cobalt-Server sterben

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Nur drei Jahre nach dem Kauf von Cobalt will Sun die entsprechende Linux-basierte Serverlinie auslaufen lassen. Solaris heißt dann die einzige Alternative für die User.

Für die Cobalt-Anwender endet eine Ära: Der seit drei Jahren alleinige Besitzer der Produkte, Sun Microsystems, will die Linux-basierten Serverprodukte auslaufen lassen. Nur noch drei Jahre sollen Service, Support und – besonders wichtig – Security-Features geliefert werden. Dann können die User entweder auf Solaris-Plattformen umsteigen oder die noch im Dezember letzten Jahres frei gegebene Open-Source-Version einsetzen. Das gab der Computerkonzern zwischen den Feiertagen bekannt.
Die Server-Appliances mit x86-Prozessoren waren zusammen mit der Firma Cobalt vor drei Jahren für rund zwei Milliarden Dollar an Sun gegangen. Die Linux-basierende Software, die speziell für die Maschinen geschrieben wurde, hat Sun aber unter einer Open-Source-Lizenz freigeben. Ferner will der Netzwerk-Computerhersteller auch weiterhin die Linux-Distributionen aus dem Hause Red Hat oder Suse unterstützen. Das Hauptaugenmerk liege aber künftig auf den eigenen Entwicklungen auf Solaris-Basis, so heißt es. Sun hat also die Zeichen der Zeit erkannt und bietet etwas Neues, um damit besser gegen Dell und IBM bestehen zu können, die von unten und oben angreifen. Dell hat dabei das Low-end der Server-Landschaft im Blick, IBM ist sehr erfolgreich mit High-end-Servern.

Als offizielles Verkaufsende für den letzten Cobalt-Rechner – es wird ein ‘Raq 550’ sein – geben die Kalifornier den 19. Februar 2004 an. Selbstverständlich gelten die Garantieansprüche für die Geräte weiter, so heißt es. Dadurch kommt ein faktisches Sterben der Produktreihe in drei Jahren zustande. Die Modelle ‘RAQ 4’, ‘Cache RAQ’, ‘RAQ XTR’ werden davor auslaufen. Und ab dem 15. Juli 2004 sollen keine Software-Updates mehr ausgeliefert werden. Die Knowledge-Base und das Support-Forum auf Suns Website sollen für den genannten Zeitraum gepflegt werden.

Einstweilen beschweren sich in Großbritannien ehemalige Cobalt-Manager über mangelndes Engagement seitens Sun. Im Vereinigten Königreich habe es in den ersten zehn Monaten nach dem Kauf überhaupt kein Vertriebs- und Marketingbudget, sowie keinerlei technisches Know-how für die Linux-basierten Produkte gegeben, zitiert das Fachmedium The Register einen anonymen Produktmanager. Keine Schulungen, keine Vertriebsstrukturen und kein Interesse bei Sun für die neu erworbenen Produkte hätten ihn schließlich zur Kündigung getrieben – nur um ferner von Sun-Mitarbeitern als der einzige Experte weit und breit mit Fragen gelöchert zu werden. 

Die Anwender haben aber inzwischen Zugriff auf die Open-Source-Lizenz. Die Software des Qube 3 hatte Sun bereits früher freigegeben. Unter der GNU Public License gibt es schon seit einiger Zeit die ROM/BIOS-Systemversionen für Qube 3 und RaQ 550. Die Anwender der Appliance müssten sich als Linux-Fans darüber freuen können, dass bald kein Hersteller mehr zwischen ihnen und der Anwendung steht. Doch die Beiträge in deutschen und internationalen Diskussionsforen sind sehr konträr und nicht durchweg positiv. Vor allem wird in Frage gestellt, ob Sun ursprünglich mit Cobalt überhaupt etwas Konkretes anfangen wollte.