Virtuelle Kreditkarte bekommt eine reale Schwester

Management

Durch die Vorstellung einer virtuellen Kreditkarte fürs Internet-Shopping hat Wirecard den Schritt in Richtung Consumer-Markt gewagt. Jetzt bekommt die elektronische Karte eine Plastik-Schwester.

Mit seinem Konzept der virtuellen Kreditkarte konnte der Berliner E-Commerce-Spezialist in der Vergangenheit vor allem im Geschäftsumfeld punkten. In der Tourismusbranche beispielsweise können Online-Plattformen oder Reisebüros damit bei internationalen Hotelbuchungen ihre Zahlungen in Echtzeit an das jeweilige Hotel weiterleiten, wenn ihre Kunden keine Kreditkarten besitzen, oder sie ihre Rechnung auf anderem Weg begleichen wollen.

Die virtuelle Kreditkarte soll nun Privatnutzern schmackhaft gemacht werden. Den ersten Schritt dazu unternahm die Wirecard AG mit der Vorstellung des gleichnamigen Produkts  und einer Partnerschaft mit MasterCard Ende letzten Jahres. Konsumenten können sehr einfach und anonym im Internet ein Wirecard-Konto einrichten, es ähnlich wie bei PayPal per Überweisung oder Kreditkarte mit einem Guthaben auffüllen und bei allen Online-Shops einkaufen, die MasterCard als Zahlungsmittel akzeptieren.

Bedingung ist freilich, dass die Wirecard für den entsprechenden Betrag auch gedeckt ist. Das mag zwar etwas umständlicher sein als bei Zahlung mit einer echten Kreditkarte, hat allerdings auch Vorteile: Sollte man beim Einkaufen Betrügern auf den Leim gehen oder während der Transaktion die Kreditkartendaten gehackt werden, ist das Risiko auf das Guthaben im Wirecard-Konto beschränkt. Und: Jugendliche können damit im Internet shoppen gehen, ohne die Kreditkarte ihrer Eltern zu bemühen.

Die Gefahr des Missbrauchs durch die anonyme Nutzung der Karte hat das Unternehmen in Absprache mit der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) dadurch einzuschränken versucht, dass es das Transaktionsvolumen für anonyme Nutzer auf 2500 Euro pro Jahr beschränkt. Ab diesem Betrag muss sich ein Wirecard-Kunde identifizieren.

Für Online-Händler liegt die Attraktivität des Verfahrens darin, dass sie keinen Vertrag mit einem neuen Zahlungspartner eingehen müssen, um das Zahlungsmittel Wirecard anzunehmen – sofern sie Zahlungen per MasterCard akzeptieren. Und das tun inzwischen immerhin 2 Millionen Internet-Händler weltweit.

Diese Reichweite verzehnfachen will das Berliner Unternehmen nun mit der Herausgabe einer Plastik-Karte im März. Die Wirecard für die Brieftasche wird genauso funktionieren wie ihr virtuelles Pendant, nur wird sie obendrein wie eine ganz normale Kreditkarte an über 20 Millionen MasterCard-Akzeptanzstellen und Bankautomaten verwendet werden können. Allerdings ohne echten Kredit, denn sie muss für den auszugebenden Betrag gedeckt sein.

Während die Einrichtung der virtuellen Wirecard im Internet kostenlos ist, wird sich die Jahresgebühr für die Plastik-Karte an den üblichen 20 bis 30 Euro im Jahr orientieren. Als Nachteil gegenüber Internet-Shopping mit normalen Kreditkarten bleiben allerdings die Gebühren von 50 Cent pro Transaktion und die Aufladegebühr von einem Euro bei einer Banküberweisung. Gerade beim Ausgeben von Kleinbeträgen (wie der Einkauf von Musik) kann dadurch das Einkaufen im Internet etwas getrübt werden.