VoIP noch zu unzuverlässig für KMUs

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Nach dem Ausfall von Skype warnen Experten vor allem kleinere Unternehmen, sich bei der Unternehmenskommunikation nicht ausschließlich auf internetbasierte Dienste zu verlassen.

Der tagelange Ausfall von Skype hat vielen kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) gezeigt, wie wichtig es ist, bei IP-basierten Sprachdiensten Alternativen einzuplanen. Denn die Ursache für solche Qualitätsschwankungen liegt auf der Hand. Im öffentlichen Raum des Internet wird keiner Art von Datenverkehr eine besondere Priorität einräumt. Daher sind auch die kleinen VoIP-Sprachpakete anfällig für Verzögerungen, Abbrüche und damit Qualitätseinbußen.

“Ich wusste schon immer, dass ich einen Plan B benötige, falls Skype einmal ausfällt – zum Glück konnte ich mein normales Handy weiter benutzen”, erklärte Shawna Hampton, eine Selbstständige aus Kansas. Hampton betreibt eine Ein-Frau-Firma und nutzt Skype aus Kostengründen als primäres Kommunikationsmittel bei Inlandsgesprächen.

Abgebrochene Gespräche mögen für private Nutzer noch annehmbar sein, sind für Unternehmen aber inakzeptabel. “Die Performance des Internet ist weitestgehend nicht vorhersehbar. Manchmal kommt man gut durch, und manchmal verursacht viel Traffic einen wahren Datenstau”, betonte Lisa Pierce, Analystin bei Forrester Research.

Große Unternehmen hingegen nutzen zumeist nicht das öffentliche Internet, sondern interne IP-Lösungen von Anbietern wie Cisco oder Avaya. Die Installation der entsprechenden Infrastruktur kostet allerdings nicht selten Millionen von Dollar.

Demzufolge ist die Anschaffung derartiger VoIP-Systeme für Unternehmen mit weniger als 100 Mitarbeitern nicht möglich oder nicht wirtschaftlich. Auch die speziellen KMU-Produkte sind meist noch zu kostenintensiv.

Dennoch würden gerade kleine und mittelstänsiche Betriebe die die Flexibilität der IP-Technologie benötigen. Laut Skype nutzen fast 30 Prozent der 220 Millionen User die Peer-To-Peer-Software zu gewerblichen Zwecke. Erst im Januar hatte Skype ein Produkt namens Skype-Business herausgebracht, welches unter anderem Konferenzschaltungen ermöglicht.

Trotzdem wird seitens Skype betont, dass man nur begrenzt die Bedürfnisse von Firmen abdecken könne. “Die KMUs können Skype wunderbar zur Ergänzung anderer Kommunikationskanäle nutzen und damit Geld sparen und die Produktivität erhöhen”, erklärte Skype-Sprecherin Jennifer Caukin.

Während Skype ganz klar sagt, dass der Dienst “kein Ersatz für herkömmliche Telefondienste sind”, vermarkten aber Unternehmen wie 8×8, ein ähnliches Angebot als vollwertigen Telefon-Ersatz. Dabei wird eine PBX-Technologie (Private Branch Exchange) genutzt, der ein privates Telefonnetzwerk mit dem Internet verbindet.”Die Sorgen um die Datenübertragung via Internet sind völlig überzogen. Das Internet ist mehr als ausreichend, um unternehmensfähige Telefonie zu bieten. Voraussetzung ist lediglich eine schnelle Breitbandverbindung”, behauptete Huw Rees, Marketingleiter bei 8×8. So könne das Unternehmen bereits über 8000 Geschäftskunden verschiedener Größenordnungen vorweisen. “Heutzutage gibt es keine Probleme mehr mit VoIP per Internet”, bekräftigt Rees. Allerdings müssen die Firmen bei VoIP dieselbe Sorgfalt walten lassen wie bei Internet-Sicherheit. Experten raten zu einem Schichtmodell aus Best Practices, da Sprachanwendungen zunehmend häufig angegriffen werden.

Andere PBX-Anbieter schätzen die Situation nüchterner ein: “Unternehmer, die sich keine eigenen IP-Kanäle leisten können, sollte wenigstens eine Hybridlösung aus VoIP und traditioneller Telefonie anstreben”, so Chris Lyman, CEO von Fonalty, einem Anbieter für Open-Source-basierten PBX-Lösungen. Doch auch wenn Fonalitys Kunden im Gegensatz zu Ciscos Angebot nicht auf die Hardware eines speziellen Anbieters angewiesen sind, kostet das System trotzdem noch um die 300 bis 500 Dollar pro Mitarbeiter.