Wege aus dem Fachkräftemangel

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Der Fachkräftemangel in der IT wird in Deutschland anhalten. Der Analyst Dr. Thomas Meyer von Deutsche Bank Research sagt, wie man ihn erfolgreich bekämpfen kann. Der erfahrene Studienautor geht auch auf die wirtschaftlichen und bildungspolitischen Gründe ein und rät zu Weitsicht und Flexibilität.

silicon.de: Lassen Sie uns über den Fachkräftemangel sprechen – dabei müssen wir auch die Marktsituation beachten. Deutschland ist ein Top-Export- und Produktionsland. Aber immer mehr IT-Produktion wandert ab, das hat Folgen für den IT-Arbeitsmarkt. Die Beispiele heißen etwa Siemens/Benq, Nokia und Siemens Home and Office Communication Devices. Gerät die IT in Deutschland durch die vielen Outsourcing-Aktivitäten ins Hintertreffen?

Mayer: Durch Offshoring steigt die Wettbewerbsfähigkeit der IT-Branche, denn es werden Aufgaben verlagert, die im Ausland effizienter erledigt werden können. Dadurch sind inländische IT-Anbieter in der Lage, sich stärker auf die Aufgaben zu konzentrieren, bei denen sie komparative Vorteile haben. Tatsächlich exportiert Deutschland mehr IT-Dienstleistungen als es aus dem Ausland importiert. Im letzten Jahr betrug der Überschuss über 300 Millionen Euro.

Richtig ist, dass IT- und IT-basierte Dienstleistungen in Deutschland einen kleineren Anteil am Export haben (circa 5 Prozent) als etwa in den USA (6 Prozent), Großbritannien (13 Prozent) oder gar Indien (26 Prozent). Gleichwohl ist der Anteil in Deutschland in den letzten Jahren tendenziell gestiegen. Zudem darf man nicht vergessen, dass IT und Software einen immer wichtigeren Platz auch in Autos und Maschinen einnehmen, die ja nach wie vor stark exportiert werden.

silicon.de: Wie schätzen Sie in diesem Zusammenhang die Arbeitsmarktsituation in Deutschland für IT-Profis und IT-Fachkräfte derzeit ein?

Mayer: Neben Ingenieuren zählen Informatiker und IT-Spezialisten derzeit zu den gefragten Fachkräften. Es spricht einiges dafür, dass das auch so bleibt. Erstens, weil IT einen Wachstumsmarkt darstellt, der fast alle Bereiche durchdringt. Zweitens, weil die Zahl der Studienanfänger im Fach Informatik seit der Überhitzung durch die New Economy im Jahr 2000 um rund 20 Prozent gefallen ist. Die Zahl der Absolventen dürfte zumindest in den nächsten Jahren also zurückgehen.