“Die Banken-IT muss günstiger werden”

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Der Wirtschafts- und Organisationswissenschaftler Dr. Walter Kirchmann ist Vorsitzender der Geschäftsleitung bei Finanz Informatik Technologie Service (FI-TS). Im Interview mit silicon.de äußert er sich über die Auswirkungen der Krise auf das Outsourcing im Finanzsektor sowie die Rolle, die die IT in den Banken derzeit spielt.

FI-TS ist eine Tochter der Finanz Informatik und gehört der Sparkassen-Finanzgruppe an. Der IT-Dienstleister mit Sitz in Aschheim bei München hat 520 Mitarbeiter und ist unter anderem auf das Outsourcing für die Finanzbranche spezialisiert.

silicon.de: Herr Dr. Kirchmann, die deutsche Finanzbranche durchlebt die größte Veränderung seit mehr als 60 Jahren. Wie macht sich das in Ihrem Geschäft bemerkbar?

Dr. Kirchmann: Durch die Finanzkrise lastet auf den Banken ganz klar ein erhöhter Kostendruck. Wir sehen, dass dieser Druck zu einer größeren Bereitschaft führt, nach Innovationen zu suchen und diese sogar aktiv nachzufragen. Bedingung dafür ist, dass die Innovationen eine unmittelbare Erhöhung der Effizienz liefern.

Dr. Walter Kirchmann
Dr. Walter Kirchmann
Foto: FI-TS

Wir stellen derzeit fest, dass Banken ihre bestehenden Geschäftsmodelle grundsätzlich hinterfragen. Sie sind auf der Suche nach Lösungen, die ihren operativen Geschäftsbetrieb skalierbarer gestalten. Ziel dabei ist eine Dynamisierung der bisherigen Kostenstrukturen – das fordern die Banken auch bei den Leistungen ihrer Partner.

silicon.de: Wie hat sich das Outsourcing durch die angespannte wirtschaftliche Lage konkret verändert?

Dr. Kirchmann: Zum einen überprüfen viele Banken die bisherigen Geschäftsvolumina und Geschäftsmodelle und fahren sie zurück. Das führt zwangsläufig zu einer Reduzierung der IT-Ressourcen. Zum anderen erleben wir eine Verschärfung des Preiswettbewerbes – sowohl auf Mitbewerberseite als auch auf Kundenseite. Das heißt: Kunden vergleichen in Ausschreibungen zunehmend die Angebote unterschiedlicher IT-Dienstleister, um bereits bestehende Konditionen nachzuverhandeln.

Natürlich kann letztlich nur ein Anbieter den Auftrag erhalten, während die anderen Anbieter zwar Arbeit in das Angebot stecken, oftmals aber gar nicht einmal in die engere Auswahl gelangen, da es letztlich nur um eine Nachverhandlung mit dem bestehenden Dienstleister geht. Zudem fällt auf, dass Mitbewerber extrem preisaggressiv anbieten, um ihre Personal- und Infrastrukturressourcen möglichst voll auszulasten.