Wie wird SAP wieder glücklich?

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Léo Apotheker und Arbeitsdirektor Erwin Gunst sind von ihren Posten zurückgetreten. Doch damit ist SAP noch lange nicht an dem von Hasso Plattner gesteckten Ziel, SAP wieder zu einem glücklichen Unternehmen zu machen.

Neben der Entlassung Apothekers ging der Abtritt des Arbeitsdirektors Erwin Gunst aus dem Vorstand mehr oder weniger unter. Gunst war seit Mitte 2008 im Vorstand für die Effektivität des operativen Geschäftes so wie der internen Prozesse verantwortlich. Ein Nachfloger für Gunst werde in den nächsten Tagen bekannt gegeben. Einen konkreten Grund für die Entlassung der beiden nannte Plattner nicht. Bei einer Telefonkonferenz erklärte, er wolle jetzt nach vorne schauen und nicht zurück. Für die Zukunft hat sich der Aufsichtsratchef einiges vorgenommen.

“Ich will alles in meiner Macht stehende tun, um Kunden und Angestellte glücklich zu machen. Wer profitabel sein will, muss ein glückliches Unternehmen sein.” Was Glück nun eigentlich ist fragen sich Philosophen und andere große Geister seit Jahrtausenden. Aber was könnte ‘Happy’ im Fall von SAP bedeuten?

Wer glücklich sein will, braucht vor allem Anerkennung und Zuneigung. Und davon hatte die SAP in den vergangenen Monaten nicht besonders viel. Wer Anerkennung will muss zunächst auch das Vertrauen seiner Mitmenschen verdienen und auch das Vertrauen der SAP-Kunden hatte zuletzt ein stückweit gelitten. Léo Apotheker hatte das Pech, gerade in den vergangenen Monaten dem Unternehmen vorzustehen, er gab der Beziehungskrise zwischen SAP und Anwendern ein Gesicht, und daher muss er nun von seinem Posten zurücktreten.

Das leidige Thema Enterprise Support war da vielleicht nur das Tüpfelchen auf dem i. In der Wahrnehmung der Kunden hatte sich SAP immer stärker darauf konzentriert, möglichst viel Umsatz zu machen. Sicher ist man bereit, für ein gutes Produkt auch einen bestimmten Preis zu bezahlen, aber andersrum, erwartet man natürlich fürs Geld auch etwas zu bekommen. Und an diesem Punkt fühlten sich manche Anwender nicht mehr so ernst genommen, wie man das bei SAP gewohnt war.

Hasso Plattner
Aufsichtsratchef Hasso Plattner hat das Heft bei SAP wieder in die Hand genommen.
Foto: Messe Hannover

Ohne Sales, Vertrieb und Marketing kann auch eine SAP nicht leben. Aber in den letzten Jahren war dieser Bereich etwas zu sehr betont. Es ist vielleicht kein Zufall, dass der Mitgründer Hasso Plattner gerade jetzt wieder prominent auf der Bühne auftaucht. Schließlich geht es ja für SAP darum, sowohl intern die Lager Sales und Forschung und Entwicklung wieder an einen gemeinsamen Tisch zu bringen. Mit Bill McDermott und Jim Hagemann Snabe ist zumindest die Spitze bei SAP einigermaßen ausgewogen und nicht alleine auf den Vertrieb ausgerichtet. Die Berufung des Chief Technology Officer Vishal Sikka bringt mehr Gleichgewicht in den Vorstand. Aber jetzt gilt es, auch die Kunden wieder mit ihrem Technologielieferanten zu versöhnen. Da kann eine Vater-Figur im Hintergrund sicherlich wertvolle Dienste leisten und vor allem eine Vater-Figur, die wie Plattner für die Tugenden steht, die man mit SAP verknüpft.

Vielleicht hat aber auch der JMP-Securities-Analyst Patrick Walravens recht als er schrieb: “Die Berufung von CO-CEOs legt für uns die Vermutung nahe, dass der SAP Aufsichtsrat sich nicht auf eine einzelne Führungsperson einigen konnte.”

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