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Praxis: Skypen ohne Headset mit dem HP Elitebook Folio G1

Wer viel unterwegs ist, mag kein schweres Gepäck. Vor allem Manager reisen am liebsten nur mit Handgepäck. Das Notebook sollte dementsprechend kompakt und leicht sein. Eine externe Tastatur oder Maus brauchen digitale Nomaden schon lange nicht mehr, zumal Notebooks heutzutage über gute Tastaturen und präzise Touchpads verfügen. Noch praktischer wäre, wenn man auch auf das Headset für die bei mobilen Managern so beliebten Kommunikationstools via Skype for Business [1] verzichten könnte.

Das müssen sich auch die Entwickler von HP gedacht haben. Mit dem HP Elitebook Folio G1 [2] stellt der Traditionshersteller aus dem kalifornischen Palo Alto einen ultraportablen Edelrechner vor, der auch ohne externes Mikrofon beste Sprachverständlichkeit via Skype bieten soll.

Mit Abmessungen von 29,2 x 20,9 Zentimeter passt das HP-Notebook in jede Aktentasche, zudem ist es nur knapp 1,2 Zentimeter dick (Bild: HP). [3]
Mit Abmessungen von 29,2 x 20,9 Zentimeter passt das HP-Notebook in jede Aktentasche, zudem ist es nur knapp 1,2 Zentimeter dick (Bild: HP).

Der Rechner ist für Skype for Business zertifiziert. Dafür sind eine Reihe von Anforderungen hinsichtlich Audioqualität im Allgemeinen und der Sprachverständlichkeit im Besonderen zu erfüllen. Welche Anforderungen genau erfüllt werden müssen, darüber gibt dieses PDF-Dokument [4] detailliert Auskunft. Eine Liste von Hardware, die für Skype for Business zertifiziert ist, findet sich auf dieser Website. Darunter auch Notebooks von Mitbewerbern wie Acer oder Dell.

Signalprozessoren optimieren die Audioqualität

Die Möglichkeit, auch ohne Headset mit dem Notebook zu skypen, basiert nicht nur auf ausgeklügelter Mikrofontechnik. Für gute Sprachverständlichkeit müssen die Mikrofone gar nicht so besonders hochwertig sein. Viel wichtiger sind leistungsfähige digitale Signalprozessoren (DSP). Diese halten die Lautstärke auf gleichmäßigem Niveau, wenn der Sprecher sich hin und her bewegt, und sie filtern störenden Hall und Hintergrundgeräusche heraus. Zusätzlich heben sie den Frequenzbereich an, in dem sich die menschliche Stimme bewegt. Der reicht in etwa von 100 bis 3.000 Hz. All diese Maßnahmen sollen die Sprachverständlichkeit deutlich verbessern.

Die Audiotechnik im HP-Rechner stammt vom Bang&Olufsen (Foto: Mehmet Toprak). [5]
Die Audiotechnik im HP-Rechner stammt vom Bang & Olufsen. Insgesamt vier kleine Lautsprecher sorgen für vergleichsweise satten Klang. (Foto: Mehmet Toprak).

Moderne Signalprozessoren zeichnen sich durch niedrige Latenzzeiten aus, sie optimieren die Audioqualität also nahezu in Echtzeit. Bei der Audiotechnik arbeitet HP mit dem dänischen Hi-Fi- und Audiospezialisten Bang & Olufsen zusammen. Der hat dem Notebook insgesamt vier Lautsprecher spendiert. Inwieweit auch die digitalen Signalprozessoren und die Mikrofontechnik von Bang & Olufsen stammt, war von HP trotz Nachfrage nicht zu erfahren. Wie gut das Skypen beim HP-Notebook gelingt, und ob die Technik wirklich ein Headset überflüssig macht, soll ein Praxistest zeigen.

HP Elitebook Folio G1: Edles Business-Notebook

Das Folio G1 ist ein hochwertiger und sehr kompakter Mobilrechner. Am oberen Rand des Displays sind unsichtbar zwei Dual-Mikrofon-Arrays verbaut.

Die Unterseite des Elitebook Folio G1 (Foto: Mehmet Toprak) [6]
Die Unterseite des Elitebook Folio G1 (Foto: Mehmet Toprak)

Die Sprachverständlichkeit wird in mehreren Durchgängen getestet. Im ersten Durchgang werden alle Sprachaufnahmen mit dem in Windows integrierten Recorder aufgezeichnet und anschließend abgehört. Zweck der Übung: Hier sollte getestet werden, welche Audioqualität die integrierten Mikrofone in Verbindung mit dem DSP prinzipiell zu bieten haben. Da die Audiosignale bei der Datenübertragung via Skype noch mal komprimiert werden, ist damit zu rechnen, dass die Audioqualität bzw. Sprachverständlichkeit bei der Videokonferenz nicht ganz so gut ist wie bei der reinen Sprachaufnahme.

Danach folgen die eigentlichen Video-Telefonate via Skype. Zunächst muss ein Teilnehmer einen kurzen Text jeweils aus verschiedenen Entfernungen und verschiedenen Winkeln aufsagen. Im zweiten Durchgang wird überprüft, wie sich das System verhält, wenn der Teilnehmer nicht nur auf einer Position steht, sondern sich während des Gesprächs im Raum hin und her bewegt – sowohl von links nach rechts als auch von vorne nach hinten. So werden der Winkel und die Entfernung des Sprechers zum Mikrofon laufend verändert. Schwerstarbeit für den Signalprozessor.

Sehr guter Klang im Nahbereich

Sitzt der Sprecher direkt in Idealposition vor dem Notebook, ist die Sprachverständlichkeit – wie nicht anders zu erwarten – sehr gut und praktisch nicht von der eines guten Headsets zu unterscheiden. Bewegt sich der Sprecher vom Notebook weg, wird die Stimme ab einer Entfernung von etwa einem Meter deutlich leiser. Sie beginnt dann auch etwas halliger zu klingen.

Die Veränderung des Sprechwinkels, wenn der Sprecher sich nach links und rechts bewegt, macht dabei kaum einen Unterschied. Hier zeigen sich die Stärken der Dual-Array-Mikrofone, sie vergrößern den Aufnahmewinkel, in dem die Signale sauber eingefangen werden können. Es macht im Übrigen auch keinen großen Unterschied wenn man während des Skype-Telefonats sich nach oben oder unten bewegt. Man kann also problemlos aufstehen oder sich nach einem heruntergefallenen Kugelschreiber bücken, ohne dass die Sprachverständlichkeit spürbar leidet.

Das HP Elitebook Folio G1 bietet zwei USB-Type-Anschlüsse sowie eine Buchse für Kopfhörer oder Mikrofon (Foto: Mehmet Toprak). [7]
Das HP Elitebook Folio G1 bietet zwei USB-Type-Anschlüsse sowie eine Buchse für Kopfhörer oder Mikrofon (Foto: Mehmet Toprak).

Der erste Eindruck fällt positiv aus: Innerhalb eines Radius von etwa zwei Metern leistet die Audiotechnik gute Arbeit, die Sprachverständlichkeit ist ausgezeichnet, kleine Unterschiede in Winkel und Entfernung werden vom digitalen Signalprozessor einigermaßen weggebügelt.

Ab zwei Meter sinkt die Klangqualität

Schwieriger wird es schon bei Entfernungen von zwei Metern und mehr. Da steigen die Raumanteile im Klang, insbesondere der Hall, deutlich an. Immerhin ist der Sprecher auch bei größeren Entfernungen noch gut verständlich hörbar. Dabei macht es keinen sehr großen Unterschied, ob der Sprecher zwei oder drei Meter entfernt ist.

Auch der Winkel spielt keine sehr große Rolle, solange man es nicht übertreibt. Wer im 180-Grad-Winkel zur Mikrofonachse, also genau von der Seite und dann noch aus drei Metern Entfernung spricht, wird kaum mehr verstanden. Das Gleiche gilt, wenn man hinter das Notebook tritt und sozusagen in die Rückseite der Mikrofone spricht. Allerdings dürfte das auch nicht sehr praxisnah sein.

Man kann sich also in einem Radius von bis zu drei Metern vor dem Notebook relativ frei bewegen und ist trotzdem noch gut verständlich. Das heißt konkret: Die Stimme des Sprechers ist deutlich zu verstehen, wenn auch gewissermaßen eingehüllt in die starken Hall- und Raumanteile im Klang. Kürzere Skype-Telefonate sind so problemlos machbar, bei längeren Sitzungen wird die schlechte Akustik aber doch unangenehm fürs Ohr.

Will man längere Telefonate via Skype führen und legt dabei Wert auf große Bewegungsfreiheit im Raum, eignet sich ein gutes Headset immer noch besser. Wer jedoch beim Videotelefonat einfach vor dem Notebook sitzt, benötigt kein Headset. Er kann sich bequem zurücklehnen, sich auch mal zur Seite beugen oder bücken, ohne dass es Probleme mit der Sprachverständlichkeit gibt.

Der Test zeigt aber auch, dass die Audiotechnik bei größeren Entfernungen und bei extremen Winkeln an ihre Grenzen stößt.

Perfekte Verarbeitung und schnelle Intel-Prozessoren

Auch ohne die Skype-Funktionalität macht der Business-Rechner einen guten Eindruck. Das liegt zum einen an der perfekten Verarbeitung, die Elektronik ist in einem aus einem Stück geschnittenen Block aus Aluminium untergebracht. Alles sitzt präzise, nirgendwo sind Spalten oder irgendwelche Unebenheiten sichtbar. Von der Verarbeitung her nicht schlechter als ein MacBook.

Der Käufer kann beim Elitebook Folio G1 zwischen Intels Mobilprozessoren Core m5 und Core m7 wählen. (Foto: Mehmet Toprak) [8]
Der Käufer kann beim Elitebook Folio G1 zwischen Intels Mobilprozessoren Core m5 und Core m7 wählen. (Foto: Mehmet Toprak)

Mit einer Bildschirmdiagonale von 31,75 cm (12,5 Zoll) ist der HP-Rechner einerseits groß genug, um für längere Zeit komfortabel arbeiten zu können, und geht andererseits immer noch als ultramobiles Notebook durch. Je nach Konfiguration liegt das Gewicht bei etwa einem Kilo, mit Abmessungen von 29,2 x 20,9 x 1,19 Zentimeter passt das HP-Notebook auch bequem in die Schultertasche. Die hintergrundbeleuchtete Tastatur ermöglicht den Direktstart von Skype per Tastendruck.

Als Betriebssystem ist Windows 10 Pro 64 installiert. Für Rechenleistung sorgen ein Mobilprozessor von Intel, im Spitzenmodell ist ein Core m7 verbaut. Der Rechner kostet allerdings deutlich mehr als 2000 Euro.

Wer mit weniger Rechenleistung benötigt, kann auch eine preisgünstigere Variante des Folio G1 nehmen, die arbeitet mit Intels Core m5. Je nach Ausstattung ist dieses Notebook für knapp 1400 Euro zu haben. Mehr zur Ausstattung und Performance bietet der Testbericht [9] der silicon.de-Schwestersite ZDNet.

Fazit: Skype ohne Headset

Das HP-Notebook beweist, dass geschickt angeordnete Mikrofone und leistungsfähige Signalprozessoren in der Lage sind, ein externes Headset zu ersetzen. Gute Sprachverständlichkeit ist so zumindest im Nahbereich gegeben. Ab einer Entfernung von zwei Metern sinkt die Sprachverständlichkeit, hier erreicht die Technik ihre Grenzen. Abgesehen davon ist das Elitebook Folio G1 ein eleganter, gut durchdachter und leistungsfähiger Mobilrechner.

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