Lenovo gründet Joint Venture mit PC-Sparte von Fujitsu und übernimmt Mehrheitsanteil

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Gerüchte gibt es schon über ein Jahr, ein erster Anlauf im Frühjahr geriet ins Stocken. Jetzt hat Lenovo offiziell bekannt gegeben, für mindestens 157 Millionen Dollar eine Mehrheit von 51 Prozent am PC-Geschäft der Japaner zu erwerben.

Die monatelangen Verhandlungen um die Zukunft der PC-Sparte von Fujitsu sind offenbar vorüber: Lenovo in einer Pflichtmitteilung an der Börse von Hong Kong bekannt gegeben (PDF), dass der Bereich in ein Joint Venture überführt wird und das chinesische Unternehmen eine Mehrheitsbeteiligung von 51 Prozent daran übernimmt. Dafür soll Fujitsu “mindestens 157 Millionen Dollar” bekommen.

Fujitsu und Lenovo (Grafik: silicon.de)

Der Vertrag wurde bereits von beiden Unternehmen unterzeichnet. Je nach Entwicklung des Gemeinschaftsunternehmens könnte Fujitsu dann im März 2020 noch einmal bis zu 112 Millionen Dollar erhalten.

Erste Berichte über den Verkauf der PC-Sparte von Fujitsu an Lenovo gab es bereits im Oktober 2016. Damals gab Lenovo bekannt, dass es zusammen mit Fujitsu eine weltweite, strategische Kooperation im PC-Bereich auslote. Dass die Sparte im Mutterkonzern keine langfristig Zukunft mehr hat, ist dagegen schon länger klar: Im Frühjahr 2016 hatte das Unternehmen seine PC-Sparte in ein eigenständiges Unternehmen, die Fujitsu Client Computing Limited, ausgegliedert.

Zunächst war wohl an einen Verkauf oder ein Joint Venture mit Toshiba oder mit Vaio, der bereits 2014 von Sony abgespalten PC-Sparte, nachgedacht worden. Diese inner-japanischen Lösungen hätte man bei Fujitsu wahrscheinlich bevorzugt. Wahrscheinlich aufgrund der enormen finanziellen Schwierigkeiten bei Toshiba, die das Unternehmen erst durch den Verkauf der Chip-Sparte im Spätsommer ansatzweise in den Griff bekam, wurden die jedoch fallen gelassen.

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Dass nun mit Lenovo ein chinesisches Unternehmen zum Zuge kommt, dürfte den Japanern gar nicht gefallen. Die gewählte Form des Joint Ventures mit Lenovo-Mehrheitsbeteiligung ist offenbar ein Zugeständnis daran. Stark ist die Fujitsu-Sparte vor allem noch auf dem japanischen Markt. Dort lag sie zuletzt hinter der NEC Lenovo Japan Group, einem 2011 gegründeten Joint Venture zwischen NEC und Lenovo, an zweiter Position. Sie litt aber stark durch den Rückgang der PC-Verkäufe in Japan.

Der erste Anlauf für die Integration der PC-Sparten von Lenovo und Fujitsu geriet im Frühjahr ins Stocken. Eigentlich hätte die Integration Ende März und damit noch im vierten Quartal des Fujitsu-Geschäftsjahres abgeschlossen werden sollen. Traditionell beginnt das Geschäftsjahr bei japanischen Unternehmen am 1. April. Der japanische Nachrichtensender NHK meldete damals, die Integration werde sich um einen Monat verschieben. Warum es nun über ein halbes Jahr gedauert hat, ist unklar.

Zum Fujitsu-Werk in Augsburg, in dem neben PCs auch Server und Storage-Systeme gefertigt werden, hatten Fujitsu-Manager gegenüber silicon.de vor gut einem Jahr ein klares Bekenntnis abgegeben. Allerdings wurden damals auch “Gerüchte”, dass man die PC-Sparte an Lenovo abstoßen will, dementiert, immerhin aber bestätigt, dass es mit Lenovo Gespräche über eine Zusammenarbeit gibt.

Möglicherweise äußert sich das traditionell zum Fujitsu Forum versammelte europäische Management des Konzerns kommende Woche dazu, wie es mit dem Joint Venture und dem Werk in Augsburg weitergeht. Fujitsu Forum ist eine alljährlich in München abgehaltene Konferenz für Kunden und Partner des Unternehmens. Dieses Jahr findet sie am 8. und 9. November statt.

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