MalumPoS: Malware gefährdet Kassensysteme von Hotels

CyberkriminalitätSicherheit
Malware (Bild: Shutterstock / Maksim Kabakou)

Das Schadprogramm liest Prozesse mit, die unter Oracle Micros laufen. Dabei greift MalumPoS relevante Daten aus dem Arbeitsspeicher ab. Vor allem in den USA registrierte Trend Micro Infektionen mit der Malware.

Trend Micro hat die Malware MalumPoS (PDF) entdeckt. Das Schadprogramm richtet sich gegen Kassensysteme mit der Lösung Oracle Micros. Vor allem Hotels sind das Ziel. Ist solch ein System infiziert, sammelt das Programm Kreditkartendaten von Gästen. Kriminelle können bereits mit Namen und Kreditkartennummer falsche Karten herstellen. Mit diesen lassen sich dann hochpreisige Waren kaufen.

Hauptsächlich verbreite sich MalumPoS in den USA, schreibt Trend-Micro-Forscher Jay Yaneza in einem Blog. Insgesamt 330.000 Kassensysteme in Hotels, Restaurants, Läden und Firmen weltweit nutzten Oracle Micros.

Yaneza bezeichnet die Malware als “RAM Scraper”. Sie kann aus dem flüchtigen Hauptspeicher (RAM) nie gespeicherte Daten abgreifen. Dazu kann auch eine vom Kunden eingegebene PIN zählen. MalumPoS überwacht die laufenden Prozesse, um den richtigen Zeitpunkt für einen Angriff zu ermitteln. Sie wurde in Delphi geschrieben, einer aus der Mode gekommenen objektorientierten Version von Pascal.

MalumPoS tarnt sich als Nvidia-Treiber (Screenshot: Trend Micro)
MalumPoS tarnt sich als Nvidia-Treiber (Screenshot: Trend Micro)

Noch ist nicht klar, wie die Terminals mit der Malware infiziert wurden. Trend Micro spricht aber von Konfigurationsmöglichkeiten, etwa um Radiant- oder Counterpoint-Kassensysteme anzugreifen. Angreifer können offenbar auch Prozesse und Speicherbereiche individuell festlegen.

MalumPoS tarnt sich als “Nvidia Display Driver”, manchmal auch als “Nvidia Display Driv3r”. Das Schadprogramm greift neben Micros auch Oracle Forms, den Bezahldienst Shift4 und Systeme an, auf die per Internet Explorer zugegriffen wird.

“Ein beträchtlicher Teil” der infizierten Systeme befinde sich in den USA, schreibt Yaneza. Weitere Einzelheiten zur Ausbreitung sind bislang nicht bekannt. Im Fokus der Malware stehen Kreditkarten von American Express, Diner’s Club, Discover, Mastercard und Visa.

Erst im März war ein RAM Scraper auf Kassensystemen der Luxushotel-Kette Mandarin Oriental entdeckt worden. Mit einer zumindest vergleichbaren Malware wurden im Herbst 2013 beim US-Elektronikhändler Target und im New Yorker Luxuskaufhaus Neiman Marcus Millionen Kundenkartendaten gestohlen. Einen ähnlichen Befall meldete Mitte 2014 The UPS Store, also die Filialen des Paketdiensts UPS. Und das Heimatschutzministerium der USA gab im August 2014 eine Sicherheitsmeldung zu einer RAM-Scraper-Malware namens Backoff heraus.

[mit Material von Florian Kalenda, ZDNet.de]

Tipp: Kennen Sie die berühmtesten Hacker? Überprüfen Sie Ihr Wissen – mit 15 Fragen auf silicon.de.

Anklicken um die Biografie des Autors zu lesen  Anklicken um die Biografie des Autors zu verbergen