Computerpionier Charles P. Thacker verstorben

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Thacker entwarf die Hardware für den Xerox Alto, den ersten, von Grund auf mit GUI konzipierten PC, sowie das Konzept für den Tablet-PC. Außerdem war er entscheidend an der Entwicklung des Ethernet-Protokolls und der Entwicklung des ersten Laserdruckers beteiligt. Er starb am Montag nach kurzer Krankheit im Alter von 74 Jahren.

Charles P. Thacker ist am Montag im Alter von 74 Jahren nach kurzer Krankheit verstorben. Das hat die Association for Computing Machinery mitgeteilt. Sie vergib den renommierten Turing Award vergibt, den Thacker 2009 als Anerkennung für die Vielzahl seiner heute noch die IT mitbestimmenden Entwicklungen erhalten hat.

Charles P- Thacker (Bild:  Association for Computing Machinery)

Thacker wurde am 26. Februar 1943 in Pasadena geboren. Er studierte Physik an der University of California in Berkeley und schloss das Studium 1967 als Bachelor ab. Kurz darauf gründete er zusammen mit anderen – unter anderem Butler Lampson die Berkeley Computer Corporation (BCC). Finanziell war das kein großer Erfolg, allerdings wurden die BCC-Mitarbeiter später die Kerntruppe des Computer Systems Laboratory im Xerox Palo Alto Research Center (PARC). Dort verbrachte Thacker dann auch die 70-er und 80-er Jahre und war währenddessen an zahlreichen wichtigen und wegweisenden Erfindungen zumindest mit beteiligt.

So leitete er das Projekt, aus dem 1973 der Xerox Alto hervorging, der erste Computer mit einem Betriebssystem, das konsequent auf eine grafische Benutzeroberfläche ausgelegt war. Thacker war vor federführend für die Hardware verantwortlich, Lampson entwickelte die Software.

Sozusagen ein Abfallprodukt der Arbeit am Xerox Alto war die Entwicklung der Ethenret-Protokollfamilie. An ihr war Thacker ebenfalls maßgeblich beteiligt. Neben Lampson spielten hier zudem Robert Metcalfe und David Boggs eine wichtige Rolle, insbesondere Metcalfe rückte sich anschließend stark in den Vordergrund.

Thacker hatte besseres zu tun: Er trug zu zahlreichen weiteren Forschungsprojekten bei, unter anderem dem von Gary Starkweather, der als Erfinder des Laserdruckers gilt. 1983 wechselte Thacker dann in das Systems Research Center (SRC) der Digital Equipment Corp. (DEC). Während seiner Arbeit dort trug er zur Entwicklung der Firefly genannten, ersten Multi-Prozessor-Workstation bei.

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1997 wechselte Thacker zu Microsoft Research. Dort entwarf er auf Grundlage seiner Erfahrungen mit dem bei PARC zwar von Alan Kay https://en.wikipedia.org/wiki/Alan_Kay entwickelten, aber nie gebauten Dynabook https://de.wikipedia.org/wiki/Dynabook die Hardware für Microsofts ersten Tablet-PC, der dann OEMs 2002 als Vorlage für ihre ersten derartigen Modelle mit der Tablet PC Edition von Windows XP diente.

“Suchen Sie sich ihre Kollegen sorgfältig aus”

Thacker erhielt für seine Arbeiten zahlreiche Preise und Auszeichnungen, darunter den Charles Stark Draper Prize, die IEEE John von Neumann Medaille und die Ernennung zum Fellow des Computer History Museums. Den ACM A.M. Turing Award 2009 erhielt er ausdrücklich für die Arbeit am Xerox Alto, Beiträge zur Entwicklung lokaler Netzwerk (darunter auch Ethernet), Multiprozessor-Workstation und von Tablets. In einem 2010 veröffentlichten Interview, auf das die ACM in ihrem Nachruf verweist, erklärte Thacker, der Alto sei eine “nette Maschine für einen Nutzer” gewesen, aber sein ganzes Potenzial habe er erst durch die Vernetzung erhalten.

Im selben Jahr riet Thacker Einsteigern in die Informatik auf Basis seiner eigenen, jahrzehntelangen Erfahrungen: “Suchen Sie sich ihre Kollegen sorgfältig in Hinblick darauf aus, dass Sie Ihnen helfen, und Sie werden erfolgreicher sei, aber auch in Hinblick darauf, dass Sie wiederum ihnen helfen können, damit sie erfolgreicher werden.“ Außerdem empfahl er, sich die Probleme, mit denen man sich beschäftigt, sorgfältig auszuwählen und bei der Arbeit daran auf Einfachheit und Eleganz zu achten. Aufgrund neuer Entwicklungen in der Physik, die man auch als Informatiker und Computerwissenschaftler genau beobachten solle, werde die Arbeit so schnell nicht ausgehen: Seiner Ansicht nach werden viele der aktuellen Erkenntnisse in der Physik einen nachhaltigen Einfluss auf die Entwicklung von Computern in Zukunft haben.

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