Microsoft will den Übercomputer bauen

EnterpriseManagementProjekteSoftwareSoftware-Hersteller

Der Softwareriese gab im Rahmen der letzten Supercomputer Conference in Dresden bekannt, dass das US-amerikanische ‘National Center for Supercomputing Applications’ (NCSA) Microsofts ‘Windows HPC Server 2008’ für seinen Supercomputer mit 68,5 TeraFlops an der Universität von Illinois in Urbana-Champaign einsetzt.

Microsoft belegt damit Platz 23 der Top500-Liste der leistungsstärksten Supercomputer weltweit. silicon.de sprach mit Wolfgang Dreyer, HPC Product Manager bei Microsoft, über die Entwicklung des Windows HPC Servers 2008 und die Einstellung zum Konkurrenzbetriebssystem Linux.

silicon.de: Microsoft dringt immer stärker in den Markt der Supercomputer vor, was sagen Sie zu Microsofts Ergebnis in der neuen Top500-Liste der leistungsstärksten Supercomputer?

Dreyer: Es gibt insgesamt fünf Supercomputer mit Microsoft-Betriebssystem in der Top500-Liste, mit dem Aachener Supercomputer auch einen aus Deutschland. Am besten hat der amerikanische Supercomputer der NCSA mit dem 23. Platz abgeschnitten. Damit haben wir natürlich eine gewisse Aufmerksamkeit erreicht.

silicon.de: Wie stehen Sie zum Open Source-Betriebssystem Linux? Red Hat beherrscht mit diesem Betriebssystem 89 Prozent des HPC-Bereichs. Wie will Microsoft dagegen halten?

Dreyer: Wenn man relativ spät in einen Markt eintritt, muss man sich mit den Gegebenheiten zurechtfinden. Linux wird von vielen Marktteilnehmern mit Open Source gleichgesetzt. Nur wenige wissen, dass Microsoft einer der größten Open Source-Unterstützer ist. Wir haben sehr viele Open Source-Programme, die wir weiterentwickelt und auch wieder an die Open Source Community zurückgegeben haben. Im Rahmen einer Initiative helfen wir, Programme, die bereits auf anderen Plattformen verfügbar oder unter Open Source auf Windows verfügbar sind, in eine parallele Windows-Version zu bringen und an die Open Source Community zurückzugeben.

silicon.de: Microsoft verfolgt momentan die duale Boot-Strategie. Das heißt das Linux-Betriebssystem und den HPC Server auf einem Supercomputer – halten Sie das für sinnvoll?

Dreyer: Sehr viele Universitäten und Forschungsinstitute möchten auch Communities bedienen, die bis jetzt auf Workstations gerechnet haben, aber gestiegene Rechenanforderungen nicht mehr bewältigen können. Daher stellen zentrale Rechenzentren einen Teil ihrer Cluster auf Windows um. Ein zweiter wichtiger Aspekt für die Institute ist, dass viele Software-Entwickler bereits auf der Microsoft-Plattform arbeiten. Viele weitere Entwickler arbeiten zwar auf konkurrierenden Betriebssystemen, nutzen aber Visual Studio. Dieses Programm ist ein optionales Produkt zum HPC-Server. Durch die Integration ist die Software-Entwicklung in einer homogenen Umgebung wesentlich einfacher als bei einem anderen Betriebssystem.