100G CLR4: Intel propagiert optische Netzwerke im Rechenzentrum

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Bis zu 2 Kilometer weit entfernte Server könnten neue optische Netze zu einem Datenzentrum verbinden. Bis Ende Mai soll ein Konsortium einen neuen offenen Standard formulieren. Intel und andere Unternehmen haben sich zu einer offenen Industriegruppe zusammengeschlossen.

Arista, eine Gründung von Andy Bechtoldsheim, und Intel haben die 100G CLR4 Alliance für Data Centers gegründet und auf der Konferenz Interop in Las Vegas angekündigt. Ziel dieses Zusammenschlusses von derzeit 24 Unternehmen ist die Entwicklung von optischen Netzwerk-Technologien, die wirtschaftliche Verbindungen mit bis zu 100 Gbps für Server und andere Komponenten im Datenzentrum liefern, die zwischen 100 Meter und bis zu zwei Kilometer auseinander liegen.

Derzeit wirken unter anderem auch die Unternehmen HP, Dell, Brocade, Oracle, Fujitsu, Ciena und Ebay in dem neuen Konsortium mit. Das nun in einem ersten Schritt einen Standard für entwickeln und vorschlagen will. Damit sollen nicht nur größere Entfernungen überbrückbar werden, sondern natürlich auch größere Datenmengen innerhalb des Datacenters verschoben werden können, bei denen aktuelle 10 and 40 Gigabit Ethernet Interfaces immer mehr an ihre Grenzen stoßen.

Zwar existieren solche optischen Verbindungen bereits und werden etwa in der Telekommunikation eingesetzt, jedoch lassen sich diese wirtschaftlich und technisch bislang nicht in ein neues Datenzentrum integrieren. Auch der Energieverbrauch diese Lösungen sei für den Einsatz in herkömmlichen Rechenzentren nicht geeignet, betont Bechtoldsheim.

“Wir erleben eine Explosion beim Netzerk-Traffic und ein Großteil dieses Traffics ist durch Rechenzentren begrenzt”, erklärt Andy Bechtoldsheim, Mitgründer, Chairman und Chefentwickler von Arista bei einer Online-Pressekonferenz zu dem neuen Konsortium.

Immer mehr mobile Geräte, die sich mit Netzwerken verbinden aber auch andere Trends wie etwa Cloud-Computing, Big Data oder soziale Netze treiben dieses Datenwachstum an. Und immer mehr Unternehmen wie Google, Facebook oder Ebay gründen ihre Geschäftsmodelle auf diesen Danten. Daher wachse auch das Bedürfnis, diese Daten in Hyperscal-Rechenzentren zu prozessieren, zu verschieben und zu analysieren.

“Datenzentren skalieren ständig und daher brauchen sie auch immer mehr Reichweite bei der Konnektivität”, so Mario Paniccia, Intel Fellow und General Manager von Intels Abteilung für Photonic Research in einem Blog. “Damit haben wir eine große Chance, wenn wir eine High-Speed/Low Power Verbindung schaffen, die auf Strecken bis zu 2 Kilometer eine Datenrate von bis zu 100 Gbps abbilden kann. Das sind mehr als 20 Football-Felder!”

Die Ziele der 100G-CLR4-Alliance. In einem ersten Schritt will das offene Industriekonsortium Spezifikationen für neue optische Netzwerk-Technologien entwickeln. Quelle: intel
Die Ziele der 100G-CLR4-Alliance. In einem ersten Schritt will das offene Industriekonsortium Spezifikationen für neue optische Netzwerk-Technologien entwickeln. Quelle: Intel

Die 100 G CLR4 Alliance will jetzt eine Spezifikation für einen Transceiver für 100G Coarse Wavelength Division Multiplexing (DWDM) in einem QSFP-Form-Faktor vorlegen. Der Transceiver soll 8,5 mal 18 mal 72 Millimeter messen und weniger als 3,5 Watt verbrauchen. Der CWDM-Transceiver soll lediglich zwei optische Leitungen – eine für das Senden eine weitere für das Empfangen – brauchen. Mit diesen Spezifikationen sollen dann bis zu 36 Ports in einem Rack-Unit untergebracht werden können.

Noch im April 2014 soll der Vorschlag für die Spezifikation erarbeitet, die finale Fassung des Standards soll dann bereits im Mai veröffentlicht werden. Hersteller sollen auf diese Weise einen offenen Standard bekommen, nach dem dann entsprechende Geräte hergestellt werden können.

Innerhalb der IEEE-Gruppe hat es im vergangenen Jahr bereits ähnliche Bestrebungen für einen Standard gegeben. Doch diese Initiative scheiterte vor etwa neun Monaten. Und damit steht die neue Inititative auch unter einem gewissen Zeitdruck. “Wichtig ist vor allem, dass wir nicht noch weitere neun Monate darauf warten können, dass eine Spezifikation reift”, fügt Bechtoldsheim an. “Wir brauchen diese optischen Links jetzt!”

Dass in der Industrie offenbar ein gesteigertes Interesse an neuen leistungsfähigen Links besteht, zeigt auch die Tatsache, dass die 100G CLR4 Allinance nicht das einzige Konsortium mit dieser Zielsetzung ist. So haben die Hersteller Avago Technologies, Finisar Corp, JDSU und Oclaro erst vor wenigen Tagen die Gruppe CWDM4 MSA angekündigt. Und im März hatte Intel zusammen mit Mellanox Technologies und Vello Systems ebenfalls einen Zusammenschluss für optische Netzwertechnologien vorgestellt.

Bechtoldsheim erklärte jedoch, dass man bereits in Gesprächen mit den anderen Gruppierungen sei und dass sämtliche Hersteller eingeladen sind, an der 100g CLR4 Alliance teilzunehmen. Allerdings könnte diese Vielfalt an Initiativen und Spezifikationen auch zu einem Problem werden, wenn sich kein industrieweit einheitlicher Standard etablieren kann.

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