Microsoft: “Hersteller sind wichtige Stützpfeiler”

silicon.de sprach mit Wolfgang Dreyer, Microsoft Product Solution Manager für High Performance Computing, über die Rolle von Microsoft und die Trends in der Supercomputer-Branche.

silicon.de: Wie sieht die Zusammenarbeit mit den Herstellern aus?

Dreyer: Der Hersteller ist natürlich der direkte Kontakt zum industriellen Kunden. Jeder industrielle Kunde, der eine gewisse Größe hat, hat auch eine gewisse Präferenz zum Hersteller. Deswegen ist die Kooperation mit den Herstellern ein sehr wichtiger Stützpfeiler. Ich sehe hier konkret zwei Stützpfeiler: das sind sowohl die Software- als auch die Hardwarepartner, wobei man nicht sagen kann, wer von beiden wichtiger ist. Sie sind beide gleichberechtigt, aber der Hardware-Partner ist natürlich der, der durch die Unterstützung seiner Hardware durch das Betriebssystem auch die nötigen Voraussetzungen bietet, damit gute Anwendungen zustande kommen.

silicon.de: Mit welchem Hersteller arbeitet Microsoft konkret zusammen?

Dreyer: HP, IBM, DELL, Cray, Bull sind ganz wichtige Partner für uns. Ich möchte aber keinen unserer Partner herausstellen. Jeder Hardware-Hersteller ist im Prinzip ein wichtiger Partner, wenn die Plattform von Windows unterstützt wird.

silicon.de: Sind Sie mit der Platzierung von Microsoft in der aktuellen Top500-Liste der schnellsten Supercomputer zufrieden?

Dreyer: Ja, die Erwartungen wurden erfüllt. Insgesamt haben wir fünf Microsoft-Systeme in der Top500-Liste. In der November-Liste 2008 war der Shanghai-Supercomputer noch auf Platz 10, der ist mit der aktuellen Liste vom Juni auf Platz 15 abgerutscht. Microsoft ist aktuell mit dem neuen deutschen HLRS-Projekt auf dem 77. Platz. Es ist aber nicht das Bestreben von Microsoft bei jeder Liste wieder einen Top-Spitzenplatz abzuliefern. Microsoft ist einfach ein Betriebssystem, das für die Einfachheit der Nutzung im Breitenspektrum angesetzt ist. Dennoch werden wir auch weiterhin Top500-Läufe machen, voraussichtlich werden wir in der Novemberliste 2009 auch wieder mit großen Systemen auftauchen. Unser Ziel ist es stabil zu bleiben.

silicon.de: Unix ist als Betriebssystem für Supercomputer nach wie vor sehr stark vertreten. Wie will Microsoft mehr Marktanteile gewinnen?

Dreyer: Wenn man sich aus strategischen Gründen entscheidet, nicht in der ersten Reihe mitzuspielen, ist es natürlich immer so, dass man schauen muss, das man von der Konkurrenz, die sich im gleichen Segment etabliert hat, Marktanteile zurückgewinnt. Ich glaube gar nicht so sehr, dass wir mit Linux konkurrieren, weil der Kunde den Vorteil der Applikationsintegration, der Leichtigkeit der Anwendung sehr wohl erkennt und das nicht nur bei einem Mittelständler, der vielleicht überhaupt kein zweites Betriebssystem möchte. Nein, auch der Großbetrieb, der eine andere Betriebssystemumgebung und auch die Administratoren dafür hat, braucht, um den Workflow besser zu integrieren und die Einheitlichkeit der Benutzeroberfläche zu haben, Fortbildungsmaßnahmen. Viele Unternehmen gehen deshalb dazu über, dass zu vereinheitlichen und dann auf die Oberfläche zu gehen, die jeder kennt.